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Das Paradoxon: Für Nachhaltigkeit brauchen wir Veränderungen

Von Michael Londesborough, basierend auf seinen Gedanken und Erinnerungen an die Innovationswoche 2020

Paradox: Pro udržitelnost potřebujeme změnu

IM FOTO VON LINKS:

Cyril Klepek – Gründer und CEO des digitalen Abfallmarkets Cyrkl.cz / Petr Rokůsek – Gründer von Nano Energies, Investor in erneuerbare Energiequellen / Robert Suchopa – Forscher und Leiter des Projekts PYREKOL im Forschungszentrum UniCRE / Andrea Orság – Mitgründerin von MissionC, Beratung für erfolgreichen Übergang der Firmen zur Kreislaufwirtschaft / Geraldine Brennan – Forschungsleiterin der Kreislaufwirtschaft bei Irish Manufacturing Research (IMR) / Soňa Jonášová – Gründerin des Instituts für Kreislaufwirtschat, Spezialisation auf Strategien und Fachberatung

Darf ich mit einer Bitte beginnen?

Bitte betrachten Sie ein Wort.

Damit meine ich die eigentliche Bedeutung eines Wortes, und nicht unbedingt die Vorstellung, die Ihr Gehirn beim ersten Hören dieses Wortes hervorruft.

Können Sie mir folgen?

Nun, das Wort ist….Nachhaltigkeit.

Ein gängiges Wort im heutigen Sprachgebrauch.

Aber ein Wort von größter Bedeutung für Unipetrol. In der Tat ein Wort, dass für jedes leistungsfähige Unternehmen wichtig ist.

Denken Sie also einen Moment über das Wort Nachhaltigkeit nach…

Die Fähigkeit einen bestimmten Wert beizubehalten“ ist die Definition im Wörterbuch. Einfach ausgedrückt, die Fähigkeit, so weiterzumachen, wie Sie es bisher machen. Keine Beschleunigung (in irgendeine Richtung); den Kurs beibehalten, Käpt’n!

Ich behaupte, dass wir Menschen, wir alle, uns ganz natürlich mit Nachhaltigkeit beschäftigen. Vielleicht sogar von Nachhaltigkeit besessen sind. Und das aus einem einfachen und fundamentalen Grund: Wir alle teilen den gleichen Kampf mit dem Verfall. Der gnadenlose Lauf der Zeit, gegen den wir alle für Nachhaltigkeit kämpfen. Daher ist die inhaltliche Nachhaltigkeit unser heikler Kampf, um die Dinge wie sie jetzt gerade sind, so ähnlich wie möglich zu halten!

So geben wir jedes Jahr Milliarden für Kosmetika, Salben und Operationen aus um unser Erscheinungsbild zu erhalten, wir investieren jedes Jahr Hunderte von Stunden im Fitnessstudio um unsere Stärke und Fitness zu erhalten, wir geben Geld für unsere Dächer und Fassaden aus, um unsere Häuser und Büros zu erhalten, und unsere Unternehmen investieren in Talente und Ideen um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Viele Cents von jedem Euro fließen in die Nachhaltigkeit. Fast jede Investition hierzu ist gerechtfertigt, weil sich der Preis für das Nichtstun, die Kosten für die Untätigkeit, ändert. Und nach den Grundgesetzen der Physik ist der Wandel immer chaotisch. Und wer will das schon?

Was sich in jüngster Zeit, vor allem dank Wissenschaft und Technologie, geändert hat, ist unsere Macht, sogar größere Systeme wie das makroökonomische Kapital und das globale Bankensystem aufrechtzuerhalten (so dass der Finanzcrash von 2008 zwar schmerzhaft war, aber nicht die schwerwiegenden Folgen von 1930 hatte), oder unser derzeitiges Streben nach Nachhaltigkeit angesichts globaler Pandemien wie COVID (Bitte tragen Sie ihre Masken) und sogar das mächtigste aller unserer Planetensysteme – unsere globale Umwelt. Wir sind nicht länger notwendigerweise Opfer und einfache Zuschauer dieser enormen Themen; wir sind mächtig und intelligent genug, um sie zu beeinflussen; mächtig genug um sie sogar zu erhalten!

Um zu skizzieren und zu beschreiben was das gegenwärtige Denken zur Nachhaltigkeit zu sagen hat, traf sich unsere Gruppe bei Unipetrol während der Innovation Week 2020 mit sechs Personen, die eine aktive Rolle beim Übergang unserer Wirtschaft zum Aufbau einer nachhaltigeren Umwelt und Gesellschaft spielen. Ihr wichtigstes Instrument ist Innovation. Innovation in der Technologie, Innovation in der Strategie und Innovation in der Philosophie.

Was ist Nachhaltigkeit?

AO argumentiert, dass Nachhaltigkeit unsere Bedürfnisse erreicht und erfüllt, ohne die Bedürfnisse zukünftiger Generationen zu beeinträchtigen, ein Empfinden, über das sich das ganze Gremium einig ist. AO weist jedoch auch darauf hin, dass wir bei dem derzeitigen Konsumverhalten die Ressourcen von drei Planeten aufbrauchen. Deshalb ist unser derzeitiger Kurs nicht nachhaltig.

Wir dürfen nicht zulassen, dass unser derzeit nicht nachhaltiger Weg uns in Panik versetzt, sondern wir müssen unsere Ressourcen an Intelligenz und Innovation nutzen, um Lösungen zu finden. In dieser Hinsicht sieht RS eine derzeit zunehmende Dynamik, die uns zu einer Änderung des Kurses führt, und er hofft, dass sich dieser Trend nur noch beschleunigen wird.

 

Wie viel Zeit haben wir noch?

CK erklärt, dass die Zeit zum Reden vorbei ist, und Maßnahmen erforderlich sind. Es müssen klare Ziele gesetzt und Projekte zur Erreichung dieser Ziele gestartet werden.

GB stimmt dem voll und ganz zu und betont die Notwendigkeit, den Unternehmen zirkuläre wissenschaftliche Grundsätze zu liefern. AO und SJ machen klar, dass dies die Einbeziehung aller Interessengruppen, begleitet von einer allgemeinen Sensibilisierung, erfordert: Die Menschen müssen in der Lage sein, sich auf die notwendigen Veränderungen zu beziehen, und es müssen greifbare Aspekte der Veränderung für alle Interessengruppen vorhanden sein, damit sie an den Übergang zum Zirkulären glauben.

Wird der Übergang zur Zirkularität störend sein?

Kurz gesagt, ja! SJ sieht große Veränderungen für etablierte Lieferketten, mehr lokal bezogene und produzierte Artikel und eine stärkere Betonung des Recyclings voraus.

CK stimmt zu, dass es Gewinner und Verlierer geben wird. Neue staatliche Finanzierungsprogramme und Anreize werden von den klügeren und intelligenteren Unternehmen genutzt werden. RS stimmt zu, dass die Gewinner diejenigen Unternehmen sein werden, welche die neuen Gelegenheiten, die dieser Übergang mit sich bringen wird, verstehen.

Welche Innovation ist für den Übergang zum Zirkulären erforderlich?

PR argumentiert, dass die größte notwendige Innovation nicht unbedingt eine in der Technologie ist, sondern vielmehr eine Innovation im wirtschaftlichen Denken. Er glaubt, dass ein neues Wirtschaftsmodell notwendig ist, um den Übergang zu ermöglichen.

GB betont ebenfalls die Notwendigkeit von Innovationen im wirtschaftlichen Denken und hebt die Bedeutung des kulturellen Wandels und der Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern hervor. Aber für einen wirklichen Erfolg in diesen Fragen hebt GB die Dringlichkeit der Skalierung von Initiativen hervor – komm groß raus!

AO stimmt diesen Gedanken zu und gibt interessante Statistiken zum Thema Skalierung; laut AO wird geschätzt, dass die globale Wirtschaft derzeit zu 9 % zirkulär ist, wobei die Niederlande eine Zirkularität von 25 % vorweist, während Norwegen, vielleicht überraschend, eine Wirtschaft hat, die derzeit nur zu 2,4 % zirkulär ist. AO schlägt vor, dass Zusammenarbeit und starke Führung erforderlich sind, um ehrgeizige Ziele festzulegen und Strategien zu formulieren, wie die Ziele erreicht werden können. Beispielsweise wollen die Niederlande bis 2030 zu 50 % zirkulär sein. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, betont das Gremium die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit zwischen Start-ups, die flink und innovativ sein können, und großen Unternehmen, die skalieren können, um die Veränderung wirklich messbar zu machen.

Was sollte in der Tschechischen Republik Priorität haben?

Das Gremium ist sich einig, dass wir unsere Fähigkeit zur Umwandlung von Abfällen in Ressourcen verstärken müssen. CK argumentiert, dass der Bausektor der Wirtschaft dabei die klare Priorität hat, da er die Gesamttonnage der in der Tschechischen Republik produzierten Abfälle dominiert. Hier sind die wichtigen Maßnahmen, welche zu treffen sind, die Deponiegebühren deutlich zu erhöhen, die Wettbewerbsfähigkeit der Recyclingmethoden zu verbessern und diese Recyclingwege zu fördern. Joint Ventures zwischen marktbeherrschenden Unternehmen des Sektors, wie Skanska, und kleineren Unternehmen, die sich auf das Recycling konzentrieren, sollten gefördert werden.

Dies gilt auch für Kunststoffe. Hierzu fordert CK in der Tschechischen Republik enorme Verbesserungen hinsichtlich des Recyclings von industriellem Kunststoffabfall. Das Recycling von verwendetem Kunststoff kommunaler Abfälle ist jedoch eine ganz andere Angelegenheit, bei der Innovationen sowohl im Produktdesign als auch in effektive Recyclingtechnologien erforderlich sind. Diesbezüglich ist RS vorbereitet, eine von Unipetrol auf Pyrolyse basierende Recyclingmethode einzuführen, die für alle Kunststoffabfälle geeignet ist.

Können wir den Übergang von der Linear- zur Kreislaufwirtschaft der unsichtbaren Hand des Marktes überlassen?

Zu dieser Frage war im Gremium der Konsens nein, wir können keine bedeutsame Veränderung ohne eine Änderung des Wirtschaftsmodells erwarten. PR befürwortet die Art von Veränderung bei unserem globalen Wirtschaftsmodell, die nicht mehr die primären Ziele von Wachstum und Gewinn festlegt. AO schlägt vor, dass jedes neue Modell darauf abzielen sollte, die Lieferketten zu verkürzen, und ist der Ansicht, dass jedes neue Wirtschaftssystem so organisiert sein muss, dass die Einhaltung dieses Systems notwendig ist, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Doch Veränderungen scheinen bereits in der Luft zu liegen. CK merkt an, dass die sich derzeit ändernden finanziellen Anreize die Unternehmen dazu veranlassen, ihn um Rat zu fragen, wie sie am besten zirkulärer werden können. Er erwartet, dass eine Kohlenstoffsteuer dies noch weiter vorantreiben wird.

Eine Gelegenheit für eine beschleunigte Änderung unseres Wirtschaftsmodells findet sich in COVID. Einige Mitglieder des Gremiums haben begonnen, darüber nachzudenken, was nach COVID das neue „Normale“ sein könnte. Sie haben die Initiative ergriffen und „Change for the Better“ gegründet, mit dem Versuch, ein neues Wirtschaftsmodell zu etablieren. Zu dieser Initiative können wir alle beitragen und somit eine Rolle dabei spielen, wie unsere Wirtschaft uns am besten dient. Eine Chance für die Nachhaltigkeit. Sollten wir diese wahrnehmen?