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Václav Loula: Die Zukunft der Kraftstoffe

Václav Loula stammt aus Strakonice, wo er das Gymnasium besuchte. Nach dem Abitur zog er nach Prag, wo er an der Universität für Chemie und Technologie  und der Wirtschaftsuniversität studierte. Von 1972 bis 2015 arbeitete er in der Firma Benzina auf vielen unterschiedlichen Positionen. Seine Karriere startete er als Techniker im Entwicklungszentrum für Kraft- und Schmierstoffe und arbeitete sich sukzessive bis zur Position des Direktors für Qualität vor. In dieser Zeit war er auch als Leiter der Marketingabteilung, Pressesprecher, Vertriebsdirektor, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und einer Reihe weiterer Managerfunktionen tätig. In den Jahren 1982 - 1992 arbeitete er als Spezialist für volkswirtschaftliche Konzepte im Bereich Erdöl und Petrochemie. Seit 2017 bis jetzt ist er Pressesprecher des Tschechischen Verbands für Mineralölindustrie und -handel (ČAPPO) und Leiter der ständigen Arbeitskommission für Brennstoffe und Direktor der Behörde für die Zertifizierung von Mineralölprodukten. Er wurde in die Oxford-Enzyklopädie der 100 bedeutendsten Persönlichkeiten der Tschechischen und Slowakischen Republik aufgenommen.

Er ist also unbestrittener Experte in der Welt der Brenn- und Kraftstoffe. Wir haben Herrn Loula gebeten, seine Erfahrungen mit uns zu teilen und zu umreißen, was wir von der Zukunft der Brenn- und weiterer Kraftstoffe, die auf dem heutigen Markt immer erschwinglicher werden, erwarten können. Seine Antworten deuten an, was uns in naher Zukunft am Ehesten erwartet und vorauf wir uns einstellen sollten.

Václav Loula: Budoucnost paliv
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Wie sehen Sie das mit den Autokraftstoffen?

Es gibt viele Sichtweisen auf Kraftstoffe, ich nenne nur einige. Die Energie, die sich der Kunde kauft, der Rohstoff, aus dem sie erzeugt wird, die Verfügbarkeit der Technologie zur Herstellung des gegebenen Kraftstoffs, die ökologische Sicht (erneuerbare Energiequellen, Emissionen), der Kraftstoffpreis, die wirtschaftliche Sicht (Steuern, öffentliche Förderung, Preise der Autos mit alternativen Kraftstoffen). Auf Autos werden die Menschen zwar nicht so einfach verzichten, aber die Antriebsenergie wird sich langsam und schrittweise verändern.

Ist Erdöl unersetzbar?

Erdöl ist immer noch Bestandteil des weltweiten Energiemixes und deshalb müssen die Erdölbarone die globale Nachfrage nach Kraftstoffen, Petrochemie und einer Reihe weiterer aus Erdöl gefertigter Erzeugnisse auf verantwortungsvolle Weise decken. Erdöl als strategischer Rohstoff ist bislang nicht voll ersetzbar. Die meisten Alternativen für fossile Flüssigbrennstoffe werden bislang im Autoverkehr geplant. Im Flugverkehr gibt es bislang im Grunde keinen zuverlässigen umweltfreundlichen Ersatz in ausreichender Menge. Es gibt einige Ersatzmöglichkeiten, die für Kurzflüge eingesetzt werden, zum Beispiel den E-Antrieb oder speziell aufbereitete Biokomponenten im Flugtreibstoff, aber Fernflüge werden in nächster Zeit noch nicht ohne Erdöl auskommen. Bei der Herstellung von Kunststoffen und einer Reihe weiterer chemischer Verbindungen aus Erdöl gibt es keinen Ersatz.    

Für wie lange werden die fossilen Brennstoffe aus Erdöl noch reichen?

Für den Zeitraum der nächsten 20 Jahre werden Verbrennungsmotoren und die derzeitige Zusammensetzung des Fuhrparks, wo Benziner und Dieselautos dominieren, weiter ausschlaggebend bleiben. Der Austausch von 1,2 Mrd. Fahrzeugen auf dem gesamten Planeten wird sicher weitere 50 Jahre dauern. Im Jahr 2030 erwartet die Zahl von Fahrzeugen einen Zuwachs von bis zu 2 Mrd., der aber nicht nur aus Alternativen mit erneuerbaren Energiequellen bestehen wird.

Wie lange werden sich Biokraftstoffe halten?

Mit Blick auf die immer höhere Bedeutung von Lebensmitteln für die Ernährung heutiger wie künftiger Generationen werden die Biokraftstoffe der 1. Generation (die aus Öl-, Zucker- und Stärkepflanzen hergestellt werden) keine langfristige Perspektive haben. Im Horizont der nächsten 5 Jahre wird die Förderung unter dem Druck der Emissionen auf Biokraftstoffe der 2. Generation, was aus Abfällen produzierte Biokraftstoffe sind, umgeleitet. Es wird sich um teurere Technologien und um einen quellenmäßig komplizierten und anspruchsvollen Rohstoff handeln. Ihren Anteil schätze ich auf max. 3 %. Bislang setzt sich die Tschechische Republik in der EU für die Fortsetzung der Kraftstoffe der 1. Generation auch nach 2020 ein. Biokraftstoffe als wichtiger Teil der Ökologisierung der Kraftstoffe werden sich deshalb auch nach 2020 halten und werden von einem starken Interesse gerade an Biokomponenten mit geringen Emissionen begleitet sein.  

Wie sehen Sie die Alternativen?

Neben der Dominanz fossiler Brennstoffe ist auch das Aufkommen alternativer Antriebe erdölfreien Ursprungs wie CNG, die verflüssigte Form LNG, die E-Mobilität und Wasserstoff in Betracht zu ziehen.

Aus fossilen Brennstoffen oder aus nichterneuerbaren Quellen erzeugter Strom ist problematisch. Die Erzeugung von Wasserstoff und der Preis dieses Kraftstoffs ist bislang teuer. Aus Sicht der Preise von Wasserstofffahrzeugen (bzw. Fahrzeuge mit einer Brennstoffzelle) oder E-Autos im Vergleich zu den Preisen von Autos mit Verbrennungsmotoren für fossile Brennstoffe sind jene alternativen deutlich teurer. Auch wenn die Kraftstoffe der höheren Generation, d. h. die aus Abfällen produzierten, wirtschaftlich bevorteilt und gefördert werden, wird es Probleme mit der Quellensicherung und der Qualität geben. Dies wird die zum Einsatz verfügbaren Quellen deutlich begrenzen. Ich nehme an, dass die EU diese Komplikationen bei der Festlegung der Ziele nach 2020 berücksichtigen wird. Weitere diskussions- und lösungsoffene Probleme sind zum Beispiel die Reichweite der E-Autos, der Preis der E-Autos, die Kapazität und der Preis der Batterien, die Errichtung von Schnellladestationen und die Besteuerung alternativer Antriebe. Gewiss wird uns aber eine Symbiose mit weiteren Alternativen erwarten.

Wie sehen Sie die Kraftstoffzusammensetzung für die kommenden 30 Jahre in der Tschechischen Republik?

In Anbetracht des Zustands, der Zusammensetzung und Größe des Fuhrparks und der Tatsache, dass die Automobilindustrie in moderne Benzin- und Dieselmotoren investiert hat, werden fossile Kraftstoffe mindestens bis 2035 dominieren. Auch für die Zeit danach erwarte ich, dass der Güter- und Lastwagenverkehr, schwere Technik, Fahrzeuge des integrierten Rettungssystems, Militärtechnik, Rennautos und Motorräder leistungsstarke Verbrennungsmotoren verwenden werden. Dasselbe gilt auch für den Flugverkehr.

Natürlich wird es im Angebot auch weitere Alternativen heben, die LPG, CNG, LNG, E-Mobilität und Wasserstoff bilden werden. Es handelt sich um einen EU- wie auch weltweiten Trend. Bislang ist die große Frage, wie das Wettbewerbsumfeld, Zuschüsse, die öffentliche Förderung und die Steuern bei alternativen Antrieben definiert werden und wie sich die Wirtschaft und das Lebensniveau der Bevölkerung entwickeln werden. Sicher wird es mehrere Arten alternativer Kraftstoffe auf dem Markt geben.

Was die E-Mobilität betrifft, sehe ich eine Perspektive vor allem für kleine Nutz- und Bedarfsfahrzeuge für Städte und die nähere Umgebung, ferner dann für den elektrischen öffentlichen Personennahverkehr.

Ich kann mir vorstellen, dass in einem weiter entfernen Horizont um die Jahre 2045 – 2050 herum Wasserstoff auch in jedem besseren Auto sein könnte. Alle PKWs höherer Klassen könnten um 2050 herum Wasserstoffahrzeuge mit Brennstoffzellen sein. Wasserstoff ist aus Sicht der Emissionen konkurrenzlos. Die Reichweite von Wasserstoffautos ist mit der Reichweite z. B. derzeitiger Benziner vergleichbar und das Füllen mit verdichtetem Wasserstoff dauert nur einige Minuten.

Auch verdichtetes Erdgas wird eine Rolle im Verkehr spielen. Es kann auch mit dem Weg der Herstellung synthetischer Kraftstoffe oder von Wasserstoff aus Erdgas gerechnet werden.