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Biokunststoffe – Vor- oder Nachteil?

Viele von uns verbinden mit der Vorsilbe „Bio“ einen eindeutigen Umweltvorteil. Somit mag das Wort Biokunststoff vielleicht wie die ideale Lösung bezüglich der Verschmutzung unseres Planeten klingen. Aber ist dem wirklich so?

Bioplastics: victory or pure fiction?

Um was handelt es sich?

Biokunststoffe werden als Neuheit präsentiert, um die Vermüllung der Erde mit Kunststoffabfällen in den Griff zu bekommen. Die Wirklichkeit sieht jedoch etwas anders aus. Biokunststoffe gibt es schon seit fast zwanzig Jahren. Wir unterscheiden zwei Gruppen - aus Biomasse produzierte Kunststoffe, wie z. B. aus Mais sowie aus fossilen Ressourcen produzierte Kunststoffe. Es ist schwierig, sie von den üblichen Kunststoffen zu unterscheiden, da sie fast die gleichen Eigenschaften besitzen - sie sind hart, biegsam, elastisch und widerstandsfähig.

An Biokunststoffen fasziniert uns vor allem die Vorstellung, dass sie aus erneuerbaren Quellen hergestellt werden sowie die einfache Abbaubarkeit am Ende des Lebenszyklus. Aber Biokunststoff ist nicht gleich Biokunststoff. Nicht alle Biokunststoffe sind tatsächlich abbaubar und einige bringen mehr Schaden als Nutzen. Darüber hinaus ist die Produktion von Biokunststoffen mit einer relativ hohen Umweltbelastung verbunden. Die Eingangsrohstoffe müssen angebaut werden. Hierfür sind Energie, Wasser und landwirtschaftlicher Boden erforderlich, der anderweitig genutzt werden könnte, wie z. B. zum Anbau von Lebensmitteln. Darüber hinaus ist die Biomassenproduktion mit intensivem Düngereinsatz verbunden. Dadurch gelangt eine große Menge Stickoxide in die Luft und die Atmosphäre wird zerstört.

Wo werden Biokunststoffe am häufigsten eingesetzt?

Am häufigsten werden Gegenstände zum einmaligen Gebrauch aus Biokunststoffen hergestellt, wie z. B. Plastikbeutel oder Plastikgeschirr. Woanders finden sie derzeit keine Anwendung.

Aber auch das Recyceln und die Entsorgung sind nicht so einfach

Jede Biokunststoffart benötigt zum Abbau andere Bedingungen. Für einige Biokunststoffarten ist lediglich eine höhere Temperatur ausreichend, für andere sind spezifische Mikroorganismen erforderlich, andere werden wiederum durch die Wirkung von Meereswasser abgebaut. Über diese Informationen verfügt ein normaler Verbraucher jedoch nicht.

Darüber hinaus sind Biokunststoffe sozusagen nicht recycelbar. Wenn sie sich in Containern für klassische Kunststoffe befinden, wird der in diesen Containern zum Recyceln bestimmte Inhalt verunreinigt und damit unbrauchbar. Aus diesem Grund gehören Biokunststoffe nicht in gelbe Container.

Handelt es somit bei Biokunststoffen nur um eine Seifenblase?

Fachleute sind sich einig, dass Biokunststoffe eine Zukunft haben. Sie suchen und testen neue Produktionstechnologien mit minimalen Umweltauswirkungen sowie mit minimalen Auswirkungen auf die Lebensmittelproduktion. Die erfolgreiche Entwicklung ist auch von der Errichtung einer komplexen Sammel- und Abfallwirtschaftsinfrastruktur abhängig.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es jedoch keine Technologie, welche eine Produktion von Biokunststoffen in der erforderlichen Menge zu einem annehmbaren Preis ermöglichen würde. Erst im Lauf der Zeit werden wir die Bedeutung von Biokunststoffen zu schätzen wissen.

Für nähere Informationen zu Biokunststoffen aus Expertensicht hören Sie sich das Interview mit Dr. Petra Innemanová an, das wir mit ihr im Rahmen unserer Serie „Let’s talk about it“ geführt haben.