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Gespräch mit Dr. Michael Londesborough

Dr. Londesborough ist ein beseelter Wissenschaftler, der nicht zögert, seine Liebe und Begeisterung zu teilen, und dies auf eine Weise tut, die auch die passivsten von uns gegenüber der Wissenschaft und der Chemie nicht gleichgültig lässt.

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Deshalb habe ich mich mit diesem bedeutenden Wissenschaftler zusammengesetzt, um ihn etwas besser kennenzulernen, mit ihm zu erörtern, wie er die Zukunft der wissenschaftlichen Innovationen sieht, und um in Erfahrung zu bringen, an welchen Projekten er derzeit arbeitet.

Sie stammen aus England. Wie lange leben Sie in Tschechien und warum sind Sie hierher gezogen?

Nach Tschechien bin ich 2002 gekommen. Damals war ich noch ein junger Mann… ich war 21 Jahre und ich war in die Chemie der Borane verliebt. Aus diesem Grund las ich viele Artikel zu diesem Thema. Ich machte mich mit der Arbeit tschechischer Wissenschaftler auf diesem Gebiet und mit dem Inhalt ihrer Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern in England vertraut. Die Anfänge der Forschungsarbeit bezüglich der Chemie der Borane lagen in der Tschechischen Republik sehr im Verborgenen und waren für mich auch deshalb recht attraktiv. Man könnte sagen, dass mich die Liebe, die Liebe zur Chemie der Borane und zur Erforschung ihrer Eigenschaften nach Tschechien geführt hat.

Ich verstehe, dass Sie derzeit als Wissenschaftler am Institut für anorganische Chemie der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik arbeiten. Warum haben Sie sich gerade dieses Institut ausgesucht?

Meine Wahl war durch meine Beziehung zur Welt der Borane beeinflusst. Auf dem Forschungsareal in Řež bei Prag gibt es eine Gruppe von Wissenschaftlern, die in der Welt der Boran-Chemie eine hervorragende Stellung innehaben. Die Zusammenarbeit mit ihnen ist für mich recht nützlich, interessant und bereichernd. Darüber hinaus arbeitet mein einstiger Leiter von der Universität Leeds mit ihnen zusammen. Das ist ein weiterer Grund, warum ich hier bin. Hier kann ich mich voll und ganz der Erforschung der fotophysikalischen Eigenschaften der Borhydride widmen und das ist genau das, was ich will.

Warum haben Sie sich in Ihrer Jugend entschieden, sich der Wissenschaft zu widmen, und warum konkret der Chemie?

Die Wissenschaft ist seit der Jugendzeit ein fester Bestandteil meines Lebens, vor allem dank meiner Familie. Mein Onkel wie auch mein Pate waren in der Wissenschaft tätig und mein Vater interessierte sich in seiner Freizeit sehr für die Wissenschaft. Oft sahen wir uns gemeinsam die wissenschaftliche Dokumentarsendung auf BBC Horizon an. Zur Schule ging ich gern und am meisten interessierten mich die naturwissenschaftlichen Fächer. Bereits damals schon machte ich mir bewusst, dass ich dank der Wissenschaft meine Umgebung und die Welt verändern kann. Chemie wählte ich dann vor allem dank meines Lehrer, der mit viel Begeisterung und Liebe unterrichtete und so steckte er auch mich mit der „Chemie“ an.

Und was fasziniert Sie direkt an der Chemie der Borane?

Ich bin fasziniert von der Schaffung neuer Moleküle, der Aufdeckung ihrer Strukturen, der Erforschung ihrer Eigenschaften und der Nutzung dieser Eigenschaften für innovative Zwecke. Zum Beispiel synthetisiere ich in meinem Labor des Instituts für anorganische Chemie der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik in Řež neue Moleküle, die Bor- und Wasserstoffatome enthalten. Diese Atome organisieren sich zu wundervollen vielflächigen Formationen. Zwar „riechen“ sie etwas ungewohnt, aber ansonsten haben sie phantastische Eigenschaften. Mit Hilfe meiner übrigen Kollegen untersuche ich, wie sich diese neuen Moleküle (die nirgendwo anders, vielleicht nicht mal im gesamten Weltall existieren) verhalten, wenn sie unterschiedlichen Arten elektromagnetischer Strahlung – sichtbarem Licht, UV-, IR-, Röntgenstrahlung usw. ausgesetzt sind. Mit diesen spektroskopischen Methoden decke ich die Struktur und die Eigenschaften dieser neuen Moleküle auf. Wichtig ist, einen Überblick zu haben, wie sonstige molekulare Systeme funktionieren und wirken, damit wir herausfinden können, ob sich diese neuen Moleküle zu innovativeren Zwecken nutzen lassen.

Vor kurzem habe ich den ersten Fall eines Boran-Lasers veröffentlicht. Der Laser gibt ein wundervolles blaues Licht ab und ist im Vergleich zu vielen anderen erschwinglichen blauen Lasermaterialien sehr fotostabil. Das bedeutet, dass er sehr lange verwendet werden kann, bevor das flüssige Medium ausgetauscht werden muss, was sehr wirtschaftlich ist.

Da Borane eine neue Gruppe von Verbindungen mit einzigartigen Strukturen sind, haben sie ein hohes Potenzial in vielen Bereichen. In den Labors, wo ich arbeite, konzentriere ich mich auf Innovationen in den Bereichen Lumineszenz und Optik und meine Kollegen erzielen hervorragende innovative Ergebnisse zum Beispiel im Bereich der Oberflächentechnologien oder der Medizin durch Nutzung ähnlicher Boran-Cluster.

Man sieht, dass Sie viel Hoffnung in die Borane stecken. Könnten Sie mir verraten, welche Rolle diese Moleküle in unserem Leben bereits spielen? Und welche Möglichkeiten Sie in deren Zukunft sehen?

Meine geliebten Borane haben gewaltige Möglichkeiten, da ihre Moleküle voll von chemischem Potenzial stecken. Jedes Molekül beinhaltet in seiner Struktur eine große Menge elektromagnetischer Energie, die es zur Durchführung chemischer Reaktionen ´nutzen´ kann. In diesem Sinne sind Kohlenwasserstoffe gleich. Die Natur hat mittels des Wunders der Fotosynthese Tausende oder Millionen von Jahren an Solarenergie in Kohlenwasserstoffen gespeichert. Die heutige petrochemische Industrie nutzt diese kostbaren Chemikalien und entwickelt sie weiter. Eine der Hauptmethoden der Nutzung ist die Umwandlung chemischer Energie durch Verbrennung – Oxidation in mechanische (Antrieb von Autos, Zügen und Flugzeugen) oder elektrische Energie. Kohlenwasserstoffe können aber weitaus mehr! Wir können viele interessante chemische Umwandlungen vornehmen, die etwa zur Herstellung von Arzneimitteln und Polymeren führen. Polymere sind besonders interessante Moleküle mit einer langen Kette. Sie haben unterschiedliche Eigenschaften, die von den Molekülen ausgehen, die zu ihrer Entwicklung verwendet wurden. Derzeit leben wir im ‚Zeitalter der Polymere‘, denn unsere wachsenden Kenntnisse der Chemie und Physik der Polymere geben uns die Möglichkeit, viele traditionelle Materialien (wie etwa Glas, Holz und Metall) durch eben diese Polymere zu ersetzen. Diese bringen viele Vorteile mit sich, wie die Senkung von Kosten, die Entwicklung neuer Funktionen oder die Bewahrung von Quellen, allerdings auch neue Schwierigkeiten, wie es etwa der Plastikmüll ist. Ich glaube, dass wir, die Wissenschaftler, mit der petrochemischen Industrie zusammenarbeiten müssen, um die Vorzüge der Polymere zu stärken und gleichzeitig die Probleme zu lösen, die ihre Nutzung mit sich bringen.

Welche konkreten Innovationen werden wir in naher Zukunft am ehesten sehen?

Wenn wir die wachsende Bevölkerung und den ökonomischen Wohlstand aufrechterhalten wollen, bringt die Zukunft neue Methoden der Verpflegung, der Arbeit, des Verkehrs und unseres Umgangs mit der Umwelt. Ich meine, dass wir sehr bald die Nutzung der Elektromobilität und des Prinzips des Teilens von Fahrzeugen, eher als deren Besitz erleben werden. Neben diesen Innovationen in der Welt der Automobile werden wir ein neues Netz von Hochgeschwindigkeitszügen sehen. Viele Routineaufgaben, die das Erkennen von Mustern verlangen, werden mit Hilfe von Algorithmen und Robotern automatisch erledigt, was uns zu einer weitaus höheren Effektivität und Leistungsfähigkeit führt. Das ‚Internet von Allem‘ ermöglicht uns, nahezu jeden Aspekt unseres Lebens effektiver zu gestalten. Die Fortschritte in den Bereichen molekulare Biochemie, Biosensoren oder in der Genetik führen zu einer Revolution bei der Behandlung von Krankheiten und der Alterung. Die Medizin wird immer stärker auf die Lösung der Bedürfnisse des Einzelnen eingestellt sein. Wir werden auch die Nutzung vieler neuer Materialien – dünner Folien, Nanoröhren, zweidimensionaler Graphen-Schichten, neuer Polymere usw. erleben. Allgemein gesagt, je mehr unser wissenschaftliches Verständnis steigt, umso mehr sind wir in der Lage, mit immer kleineren Dimensionen zu arbeiten. In der Folge werden unsere Materialien stärker, leichter, smarter und leistungsfähiger sein.

An welchen neuen Projekten arbeiten Sie jetzt?

Aktuell führe ich ein Forschungsprojekt, dessen Ziel die Entwicklung unseres unlängst entdeckten Boran-Lasers ist. Ich untersuche die Details dieses Systems, um seine Leistungsfähigkeit zu optimieren. Ich versuche (gemeinsam mit meinen Kollegen – das ist keine One-Man-Show), unser molekulares Boran-System in Polymermatrizen zu integrieren, um dünne Polymerfolien generieren zu können, die mit dem Licht eine Menge interessanter Dinge tun. Zum Beispiel absorbieren sie Licht in einer breiten Frequenzskala und geben das Licht dann in einer Wellenlänge ab. Solche Eigenschaften sind für Solarkonzentratoren nützlich.

Ich bin auch stolz darauf, dass ich vor kurzem Botschafter der Marke Unipetrol wurde. Mich interessiert sehr der Bereich der Kohlenwasserstoffchemie und Unipetrol leistet in dieser Richtung eine unglaubliche Menge Arbeit.

Im Rahmen der nahen Zukunft nehme ich im Oktober an der diesjährigen Konferenz REACTIONS teil, die sich gerade mit Innovationen in der Welt der Chemie befasst.

Ich würde gern wissen, warum Sie gerade Unipetrol für eine Zusammenarbeit ausgewählt haben? Welchen Zusammenhang sehen Sie hier?

Ich wäre gern daran beteiligt, mit welcher wachsenden Raffinesse wir unsere Kohlenwasserstoffquellen nutzen. Dies umfasst die Entwicklung einer vielfältigen Skala neuer polymerer Materialien und sonstiger in der petrochemischen Industrie hergestellter Materialien. In meiner Karriere habe ich der Popularisierung der Wissenschaft und der Einbeziehung der Öffentlichkeit viel Zeit gewidmet und tue dies auch weiterhin. Dies ist eine Sache, die mich mit Unipetrol verbindet. Beide glauben wir daran, dass es unerlässlich ist, proaktiv zu sein und die Studierenden bei ihrem Vordringen in die Welt der Wissenschaft und der Technologien zu unterstützen.

Könnten Sie mir etwas mehr zu Ihrer Teilnahme an der Konferenz REACTIONS sagen? Was können wir erwarten?

Die Konferenz REACTIONS 2018 wird bahnbrechende Innovationen in der Automobilindustrie und neu eröffnete Möglichkeiten für Hersteller betreffen, die deren Wettbewerbsfähigkeit stärken. Ich nehme vor allem als Moderator teil, zusammen mit Eva Smetana, die die Konferenz im letzten Jahr moderiert hat. Ich werde auch einen eigenen Vortrag halten, wo ich die Möglichkeiten der Gewinnung einer neuen Generation von Mitarbeitern analysieren werde. Die Konferenz wird am 11. Oktober im Prager Forum Karlín stattfinden. Das wird ein wahrhaft beachtenswertes und bedeutendes Ereignis, auf das ich mich wirklich freue.

Ich werde mich auch freuen! Ich danke Ihnen für Ihre Zeit und das interessante Gespräch.

Nach diesem Gespräch hatte ich auch die Gelegenheit, ein Seminar von Dr. Londesborough im Rahmen der Woche der Innovationen 2018 im Prager Forum Karlín zu erleben und mit eigenen Augen die interessantere, unterhaltsamere und attraktivere Seite der Chemie zu sehen, von der ich in jungen Jahren nur gehört hatte. Wissenschaft und Chemie sind für ihn wirklich eine Herzenssache, von der er mit Leidenschaft und Enthusiasmus spricht. Dr. Londesborough ist kurzum ein beseelter Wissenschaftler, der nicht zögert, seine Liebe und Begeisterung zu teilen, und dies auf eine Weise tut, die auch die passivsten von uns gegenüber der Wissenschaft und der Chemie nicht gleichgültig lässt. Ich bin überzeugt, dass sein Beispiel eine Reihe neuer Studierender und künftiger Wissenschaftler anlockt. Und für diejenigen von uns, die ihre Karriereentscheidung bereits hinter sich haben, ist es verblüffend zu erkennen, wie viel Interessantes und Umwälzendes in der Welt der Wissenschaft geschieht, die uns ansonsten relativ fremd sein könnte.

- Josefína Chalupová