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Wiederverwertete plastische Kunst

Ich möchte das Leben des Kunststoffmülls verlängern“, sagt eine Designerin mit dem Fokus auf Upcycling Art.

Es war beinahe eine folgenschwere Begegnung. Während eines warmen Sommerabends ging die italienische Designerin Daniela Buonvino durch Amsterdam und stolperte über ein Stück Müll. Sie sah ein glänzendes, durchsichtiges und rundes Objekt. Es sah aus wie eine riesige runde Glühbirne, ein Kunststoffteil eines belgischen Bierfasses.

„Ich nahm es mit nach Hause und machte eine Lampe daraus. Ich war selbst über das Objekt  erstaunt, doch auch über die Tatsache, dass ich das Leben von Müll verlängern und etwas Wertvolles daraus machen kann, indem ich dem Objekt eine neue Funktion und ein neues Leben geben kann,” erklärt die 32-jährige Daniela Buonvino, die begonnen hat Bierfässer zu sammeln. Einige Bars und Restaurants legen ihr sogar einige zurück.

The beauty of recycling
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„Ich war überrascht, dass das Bierfass aus vier verschiedenen Materialien, sowohl Kunststoff als auch Aluminium besteht. Es gibt keine Firma auf der Welt, die dieses Produkt zerlegen und recyclen würde. Das Fass wird einmal verwendet und dann weggeworfen. Aus diesem Grund bemühe ich mich ein wenig von mir selbst beizutragen“, sagt Daniela, die aus Turin stammt und seit 2009 in Amsterdam lebt.

Sie verwendet auch Kunststoffteile von Bierfässern, um Designlampen zu gestalten, doch auch zur Herstellung von Kunststoffcontainern, die kleinen Gewächshäusern oder Terrarien gleichen. Für ihre Upcycling-Arbeit  fiel ihr die Marke BULBkeg ein, eine Wortkombination von einer Glühbirne und einem Fass.

Ich muss Kunst machen, die Sinn macht

Wir haben Daniela im Dezember 2017 bei der Prague Design Week getroffen, bei der sie auf Einladung der Veranstalter eine interaktive Installation präsentierte, hergestellt aus mehreren Lampen aus Bierfässern.

Sie verkauft ihre Produkte über einen E-Shop und auch in Triple-B, einem der Bierläden von Turin, der mit ihren Lampen dekoriert ist. Die Lampen sind mit einem Durchmesser von etwa 55 Zentimeter,  die aus ihnen ein interessantes Teil der Interieurs macht.

Daniela Buonvino absolvierte ein Studium in Industriedesign in Turin, Italien und The Hague in den Niederlanden. Der Ansatz der beiden Schulen war unterschiedlich, aus ihrer Sicht. „In dem IAAD Istituto di Arte Applicata e Design in Turin arbeiteten wir an Projekten mit großen Firmen wie etwa Lavazza oder DeLonghi und das war sehr praktisch. Sie haben ein Produkt, machen eine Zeichnung und treffen eine Entscheidung, denn Sie haben eine 3D Zeichnung und einen Prototyp gemacht, und das Produkt würde somit potenziell zur Produktion bereitstehen. Sie besuchte auch einen Master-Kurs zur Spezialisierung in Industrial Design an der KABK Royal Academy of Art in The Hague. „Dieser Kurs war eher experimentell, ein idealer Workshop mit einem einer großen Menge an Materialen zum Ausprobieren“, sagte Daniela, die ihre Zeit immer eher der angewandten Kunst als den akademischen Künsten widmen wollte.

Kunst machen ist nicht ihre Vollzeitbeschäftigung, sie arbeitet auch als Reiseführerin für italienische Touristen Fahrradtouren in Amsterdam, und in der Vergangenheit hat sie in einem Restaurant gearbeitet. Daniela möchte jedoch sobald wie möglich nur vom Erlös ihrer Kunstwerke leben.

Ich werfe nichts weg. Was ist, wenn es noch einmal nützlich sein wird?

Danielas Großvater inspirierte sie dazu ältere Gegenstände zu recyclen und wiederzuverwenden. „Mein Großvater hatte eine große Werkstatt mit verschiedenen Maschinen, Materialien und vielen anderen Dingen. Er warf nie etwas weg und sagte dabei, dass eines Tages alles wieder nützlich werden kann. 

Ich genoss es zu ihm zu gehen, zu spielen und mit ihm neue Dinge zu schaffen. Ich bin in diesem Umfeld aufgewachsen, ich werfe heutzutage nichts weg. Ich versuche ein paar neue Sachen zu kaufen, doch ich denke immer darüber nach, ob ich sie nicht schon zuhause habe. 

Sie denkt daran, Recycling und besonders Upcycling zu einem natürlichen Teil ihres Lebens zu machen. „Upcycling wird zu einer Währung für die Zukunft in der Welt des Designs. Warum verwenden wir ständig neue Materialien? Das ist eine Philosophie, die sich seit den 1960ern entwickelt hat.
Sie sollte weiterentwickelt und eine Gewohnheit des täglichen Lebens werden,“ sagt Daniela, die gerne in der Zukunft Upcycling-Workshops für Kinder machen würde.

„Ich würde gerne Kindern beibringen weniger kommerziell zu denken. Bringen Sie ihnen bei zu recyclen, mit Müll zu spielen, etwas daraus herzustellen. Um ihnen zu zeigen, dass die gebrauchte Trinkflasche aus Plastik nicht direkt in den Abfalleimer geworfen werden muss.“