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Abhängigkeiten, die über den Erdölmarkt entscheiden

Es ist nicht nötig, jemanden davon zu überzeugen, wie schwierig es ist, vorauszusehen, wie sich der Erdölpreis ändern wird. Schuld daran ist nicht der Mangel an Kenntnissen der Mechanismen, die die Erdöl- und Brennstoffpreise bestimmen, sondern das Vorkommen unvorhersehbar Ereignisse, die das Verhältnis zwischen der Nachfrage und dem Angebot verändern. Das globale Netz verbindet die lokalen Erdöl- und Brennstoffmärkte mit der weltweiten Wirtschaft. Und das hat zur Folge, dass wir es mit dem sog. Schmetterlingseffekt zu tun haben. Die symbolisch halb gare Fledermaus in Wuhan hatte zur Folge, dass   am 20. April 2020 in Cushing, USA diejenigen, die Barrells mit Erdöl verkauften, viel dafür zahlen mussten, um sie los zu werden. Seitdem erscheinen zahlreiche Publikationen, die sich bemühen, Regeln zu erklären, die auf diesem spezifischen Markt herrschen. Es handelt sich darum, dass der Teufel im Detail sitzt, das es sich zu kennen lohnt.

Vztahy, které ovlivňují trh s ropou

Die Spot-Preise des WTI und Brent Erdöls werden auf eine andere Art festgelegt.

Der Spot-Preis ist der Preis auf dem physischen Markt mit kurzer Lieferfrist, es handelt sich also um den Preis der Transaktion auf einer konkreten Stelle und zur konkreten Zeit, indem das Erdöl den Inhaber mit der typischen Dynamik des Marktumsatzes wechselt.

Spot bedeutet dasselbe, wie „auf der Stelle“, wo der Preis kotiert wird. Für WTI Spot ist es die Stadt Cushing im Staat Oklahoma. Dort finden physische Transaktionen mit der Veräußerung/Übernahme der Ware vor Ort (der Anbieter und der Käufer müssen Lagerraum zur Verfügung haben).

Für Brent Spot ist der Handelsplatz die Nordsee, denn das Erdöl wird laufend verschifft und die Ladung wechselt häufig den Inhaber. Den Spot-Preis bestimmten u. a. die Agentur Platts und Argus anhand zahlreicher Informationen, die sowohl vom physischen Markt, als auch vom Papiermarkt stammen (davon später). Platts bestimmt den Spot-Preis des Erdöls, genannt Dated Brent. Die Bewertung ergibt sich aus dem Vergleich des physischen Preises des Erdöls aus der Nordsee aus dem Korb, der fünf Arten einschließt (Brent, Forties, Oseberg, Ekofisk und Troll). Der Termin bedeutet „Dated-Brent“ und bezieht sich auf die physischen Erdölarten in der Nordsee, mit festgelegten Lieferterminen. Die datierte Erdölladung wird oft vor der Lieferung an die Raffinerie mehrmals gekauft und verkauft. Die Analyse der von Platts vorgenommenen Geschäftsvorgänge, endet mit der Veröffentlichung der Kotierung Platts Dated Brent - der alltäglichen Schätzung des Dated Brent Preises auf dem Erdölmarkt in der Nordsee.

Bis vor Kurzem waren die Spot-Preise und die Preise der Terminkontrakte für den ersten Monat praktisch identisch. Warum haben sich jetzt zwischen diesen Preisen große Unterschiede herausgestellt? 

Die laufenden Spot-Preise und die Preise an den Rohstoffbörsen in den Terminkontrakten Front Month (für den ersten Monat) sind sehr ähnlich, allerdings nicht identisch. Von Zeit zu Zeit erscheinen offensichtlichere Differenzen - in der Regel bei größeren Erschütterungen auf dem Erdölmarkt, denn der physische Markt und die Papiermärkte reagieren auf die Signale mit einer unterschiedlichen Geschwindigkeit. Der Grund dafür sind in der Regel Differenzen bei der Bewertung der Lagerkosten (die im Augenblick der Entstehung des Kontrakts und der Abwicklung der Lieferung zu erwarten sind). Eine kritische Wichtigkeit hat hier auch der Winkel der Forward Curve (auch Terminkurve genannt). Zusammen mit dem Wachstum dieses Winkels (die Fachsprache kennt dafür den Begriff „Steilerwerden der Kurve“) erhöhen sich nämlich die Unterschiede zwischen den Spot-Preisen und den Futures-Preisen. Dieser Effekt kommt im Augenblick vor, in dem sich auf dem Spot-Markt das Angebot, dass schnell einzulagern ist, erheblich erhöht. Den Anreiz für die Erhöhung der Bestände ist eben das Steilerwerden der Forward Curve. Dazu kommt es infolge des entsprechend tiefen Einbruchs der Spot-Preise. Den Differenzen der Spot-Preise und Futures-Preise ist mehr der Preis des WTI Erdöls wegen dem Vorhandensein einer einzigen physischen Stelle für die Kotierung des Preises (in Cushing) und der Notwendigkeit, das Erdöl physisch nach dem Fälligkeitsdatum des Kontrakts zu übernehmen, was mit weiteren Lagerkosten verbunden ist, vor allem für Händler, die auf diese Möglichkeit nicht vorbereitet sind, ausgesetzt.

Im Falle des Erdöls Brent besteht die Pflicht der physischen Übernahme nicht, man kann sich bezüglich der Kontrakte finanziell entlasten.

Am 21. April fiel der Preis des Erdöls WTI auf dem physischen Markt in den Bereich der negativen Werte. Wie konnte das geschehen?

Die finanziellen Händler sind nicht auf physische Übernahme der Barrels mit Erdöl vorbereitet. Sie meiden Positionen auf dem physischen Markt so, dass sie Terminkontrakte physischen Dealern vor dem Fälligkeitstermin verkaufen. Nicht allen ist es gelungen. Diejenigen, die im Mai das Erdöl hätten übernehmen müssen, da sie es nicht verkauft hatten, hätten weitere Kosten für dessen Lagerung in einer schwierig vorhersehbaren Höhe tragen müssen und zwar in einer Situation, in der keine Abnehmer vorhanden waren (das Erdöl wechselt die Inhaber und liegt dabei im lager). Sie haben sich also lieber der Ware zu Kosten entledigt, deren Höhe ihnen bekannt war (also zum negativen Preis - sie zahlten den Käufern die Abnahme des Erdöls).

Wie funktioniert das Geschäft mit den Erdöl-Terminkontrakten?

Terminmärkte sichern die Liquidität auf dem physischen Erdölmarkt. Dank den Terminkontrakten fängt der Erdölmarkt leicht die Überschüsse auf (die Struktur der Preise für verschiedene Termine ist der Lagerung zugetan) und wird sie los. Die Möglichkeit, sich vor dem variablen Erdölpreis abzusichern, wirkt sich stabilisierend auf die Rentabilität der Förderung und der Brennstoffproduktion aus. Die Kontrakte werden von Clearing-Zentren ausgestellt. Der Verkaufskontrakt ist ein Finanzprodukt, das ein standardisiertes Erdölvolumen enthält. Der Erdölpreis im Kontrakt wird vom Markt festgelegt. Der Käufer erwirbt den Kontrakt zum Marktpreis und verpflichtet sich zur Abnahme eines konkreten Erdölvolumens zum angeführten Termin. Vor dem Fälligkeitstermin des Kontrakts ist diese Verpflichtung eine Option, der man sich durch den Verkauf des Kontrakts entledigen kann. Zum Tag der Fälligkeit des Kontrakts endet diese Option und der Inhaber des Kontrakts ist verpflichtet, die physische Lieferung des Erdöls, die ihm im ersten (zweiten, dritten) Monat nach dem Ablaufdatum des Kontrakts zugestellt wird, zu übernehmen.

Inwieweit ist das Erdöl Spekulationen ausgesetzt? Ist es nicht von Zeit zu Zeit so, dass der Marktpreis vom realen Wert abweicht?

Transaktionen auf den Terminmärkten mit Erdöl nennen sich in der Fachsprache Spekulationen. Der Erdölpreis ist gegen Spekulationen nicht immun, denn die Finanzhändler diskontieren in den Kontraktpreisen sämtliche verfügbaren Informationen, die Einfluss auf Bedingungen der Nachfrage und des Angebots haben, bzw. diese - und damit auch den Erdölpreis - ändern können.

Wichtig ist der Zeitraum, für den wir den Markt und den Preis des Erdöls betrachten. Die Finanzhändler sowie die physischen Händler verfolgen den Markt ununterbrochen und reagieren sofort auf jede beliebige neue Information. Indem die Förderindustrie und die Brennstoffproduzenten (Raffinerien) die Erdölpreise lediglich im Rahmen von Monaten, Quartalen und Jahreszeiten wahrnehmen. Im Rahmen dieser Zeiträume hängen die Preise weniger von den Änderungen und mehr von den Basisfaktoren, wie die reale Nachfrage, die Förderung bzw. Bestandsänderung, ab. Von tatsächlichen Änderungen dieser Faktoren erfahren wir mit Verspätung, manchmal sogar von mehreren Monaten (PKB, Änderungen der globalen Bestände).

Den Forschungen nach stärken Spekulationen nur Bewegungen der Erdölpreise, die sich aus der Bewertung der Basisfaktoren ergeben. Mit anderen Worten - Spekulanten verändern nicht Trends, die sich aus den Basisparametern, wie Volumen der Förderung, Kosten der Förderung, Volumen des Verbrauchs, Lagerbestände usw., ergeben.

Der Marktpreis des Erdöls pendelt um dessen Realwert - an einem Tag ist er höher, am anderen niedriger, im Durchschnitt muss er allerdings so hoch sein, dass die Rentabilität der Förderung auf dem Niveau des künftigen Verbrauchs sichergestellt ist.  Ist er zu niedrig, sinkt das Angebot und der Preis wird sich erhöhen (wie es in den Jahren 2005.2010 der Fall war).  Ist er zu hoch, erscheinen neue Technologien, die das Potential der Förderung erhöhen, auf dem Markt ist zu viel Erdöl und der Preis geht nach unten (wie es von der Hälfte des Jahres 2014 bis 2017 der Fall war).



Adam Czyżewski

Adam B. Czyżewski, Ph.D., ist seit 2007 Chefökonom bei PKN ORLEN. Er ist Spezialist für Veränderungen in dem weltweiten Energiesektor, die aus Wirtschaftspolitik und revolutionären Innovationen resultieren

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