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Die Wirtschaft wächst. Aber ist das eine Entwicklung zum besseren?

Es existieren viele Anzeichen, dass die Digitalisierung und der Übergang vom linearen Modell der Produktion in ein zirkulares Modell in den nächsten Jahrzehnten die wichtigsten Antriebskräfte der Entwicklung der Gesellschaften werden. In den unlängsten Berichten in unserer Serie FFbK beschäftigten wir uns ausführlich mit Problemen, die damit verbunden sind, und mit möglichen Szenarien. Die Schlussfolgerungen beider Berichte sind ähnlich: die erwähnten Prozesse kann man nicht umgehen, diese Prozesse ändern grundlegend die Regeln des Handels damit, dass sie Gesellschaften mit dem natürlichen und sozialen Umfeld integrieren.

The economy is growing

Die Digitalisierung und die Kreislaufwirtschaft haben bereits jetzt eine große Auswirkung auf die wirtschaftliche Aktivität, egal, ob auf dem Niveau einzelner Gesellschaften oder auf dem Niveau der Nationalwirtschaft als Ganzes. Das Problem ist, dass die Maßnahmen, die wir in der Gegenwart treffen, zum Beispiel die Höhe der Einnahmen von Gesellschaften oder das Bruttoinlandsprodukt, in sich nicht viele Effekte einschließen und anschließend also nicht die ganze Größe der Entwicklung messen. Und was noch schlimmer ist, wenn wir uns nach diesen Kennziffern richten, zwingt uns nichts zu einem nachhaltigen Lebensstil.

Das Konzept des Bruttoinlandsprodukts wurde zum Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts entwickelt, wobei die weltweite Population 2 Milliarden Menschen zählte und als sich die Produktion (Wertschöpfung) noch nicht einem Mangel an natürlichen Quellen auseinandersetzen musste und als es noch keine sichtbare Auswirkung auf die Umwelt gab. Das BIP, ebenso wie die Einnahmen von Gesellschaften, ist auf den Handelswert begründet. Der wichtigste Wert ist der Warenpreis auf dem Markt und die Dienstleistungen, die im gegebenen Jahr produziert werden. Die Preise repräsentieren die Werte der Produkte und Dienstleistungen. Produkte und Dienstleistungen mit Nullwert bilden für eine Gesellschaft kein Einkommen und sind also nicht in der Übersicht des BIP reflektiert.

In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die Rechentechnik mehr als millionenfach verbessert und die Kapazität des digitalen Speichers und des Telekommunikationsnetzes erhöhte sich mit einem nicht weniger langsamen Tempo. Nichtsdestotrotz, wenn wir auf den Anteil der Telekommunikationsdienstleistungen am BIP schauen, hat er sich in der gleichen Zeit nur wenig geändert. In den Vereinigten Staaten war es im Jahr 1983 auf 4,6 %. Heute ist es weiterhin auf 4,6 %. Warum? Die Mehrheit der digitalen Kommunikationsdienstleistungen wird nun kostenlos gewährt! Und das BIP repräsentiert keine Vorteile, die es den Benutzern bringt. Facebook bringt Milliarden Benutzern auf der ganzen Welt Vorteile, aber dieser Wert ist im BIP nicht sichtbar, da diese Dienstleistung keinen Marktwert hat. Amerikanische Wissenschaftler versuchten den Wert abzuschätzen, den die Dienstleistungen von Facebook den Benutzern bringen. Die Benutzer wurden folgendes gefragt: Wie viel müsste ich ihnen monatlich bezahlen, damit Sie Facebook nicht benutzen? Sie stellten fest, dass der Durchschnittspreis der Dienstleistungen von Facebook für einen Einzelnen 48 Dollar pro Monat ist.

Quelle: World Economic Forum

Wie beeinflusst die Digitalisierung die Einkommen von Gesellschaften und das BIP? Ein gutes Beispiel ist die Gesellschaft UBER. Die digitale Applikation (Roboter) verband private Autobesitzer, die Freizeit hatte, mit Kunden, die sich für eine billige Personenbeförderung interessierten. Der digitale Roboter ersetzte Taxigesellschaften, was die Kosten verringerte und das Interesse an der Dienstleistung startete. Das vergrößerte die Konkurrenz, was begann, Druck auf die Taxitarife auszuüben, was auch zu einer erhöhten Anzahl von Taxifahrten führte. Dieser neue Marktwert (für die Fahrer, Passagiere) wurde ohne jegliche Investition geschaffen, nur mit Hilfe der Verwendung von existierenden Aktiva, die keine Produktion schaffen, und von verfügbaren Arbeitsquellen. Der digitale Roboter wurde auch zu diesem Zweck kostenlos genutzt (Produktionsaktiva, die einen Marktwert für die Gesellschaft UBER bilden), daher wurde das nicht im BIP reflektiert. Der direkte Effekt der Aktivitäten der Gesellschaft UBER ist an den Einkommen von Taxigesellschaften und am BIP zu sehen, was ein niedrigeres Einkommen der Taxifahrer und niedrigere Einkommen der Gesellschaften sind. Was im BIP nicht zu sehen ist, ist das höhere Einkommen der Menschen, die für UBER in ihrer Freizeit arbeiten. Eine Untersuchung zeigt, dass die Applikation die Gesamtanzahl an arbeitenden Fahrern erhöhte (sowohl der Gesellschaft UBER, als auch von Taxigesellschaften. Im BIP ist der Effekt der höheren Einkommen in der Form von erhöhten Ausgaben des Kunden (und von Einsparungen) der Haushalte repräsentiert.

Digitale Innovationen verbreiten sich sofort auf der ganzen Welt. Mit Hilfe von Cloud-Dienstleistungen können schnell wachsende Gesellschaften Zugang zu Kunden, Finanzen, Networking, Arbeitseffektivität, Rechentechnologien und Software erlangen. In der heutigen immer mehr digitalen Wirtschaft wachsen den „normalen“ Beschäftigten die Löhne nicht, da sie mit billigeren, effektiveren digitalen Robotern konkurrieren. Der Rückfluss des investierten „normalen“ Kapitals, das durch den realen Zins gemessen wird, sinkt auch stark (die Aktiva der digitalen Produktion sind kostenlos verfügbar). Diese Phänomene können nicht mit Hilfe der klassischen Wirtschaftstheorie erklärt werden. Der technologische Fortschritt, der die Möglichkeit der Ersetzung der Arbeit durch Kapital erhöht, sollte sich in höhere Zinssätze umwandeln, wenigstens kurzfristig. Warum? Stellen Sie sich vor, dass die Gesellschaften unerwartet die Möglichkeit bekommen, einige Beschäftigte durch hochleistungsfähige Roboter zu ersetzen. In der analogischen Welt würde die Erhöhung des Wettbewerbsvorteils durch diese attraktive Investition zu einer Erhöhung der Nachfrage nach Zinsfinanzierung führen, was zu einer Erhöhung der Zinssätze führen würde. Aber in der digitalen Welt muss dies nicht gemacht werden, da leistungsfähige Roboter für Preise verfügbar sind, die sich Null annähern (UBER). Für Interessenten an diesem Thema empfehlen wir folgenden Verweis: MIT Initiative on the Digital Economy

Wir gehen nun auf die Kreislaufwirtschaft über. Der gesellschaftliche Megatrend „geteilt anstelle eigenes“, den wir im Verkehr finden können (Teilen von Autos oder Fahrten), kann man auch bei sonstigen dauerhaften Sachen finden, die die Haushalte kaufen. Zum Beispiel sind Waschmaschinen von den Herstellern so entworfen, damit sie lange halten, und 95 % des Materials, das bei der Produktion verwendet wird, ist haltbar. Die Ware wird nicht an den Kunden verkauft, sondern vom Hersteller vermietet, der die Ware auch verwaltet. Wenn ein neues Modell auf den Markt kommt, dann gewährt der Hersteller dem Kunden dieses neue Modell zu einem Preis, der um das recyclebare Material verringert wird. Solche recyclebaren Modelle der Verwendung von Rohstoffen und Verbrauchsware eignen sich gut im Geschäftsmodell des Produkts als Dienstleistungen. Das Paradox der modernen Entwicklung ist das, dass die Hersteller, mit stiller Zustimmungen der Kunden, sich nach einigen Jahrzehnten in die umgekehrte Richtung bewegen. Also von recyclebarer Ware, die lange aushält (zum Beispiel Waschmaschinen oder Telefone, die repariert werden können und viele Jahre halten) in Richtung zu nicht mehr reparierbaren Produkten, die weggeworfen werden.

Welcher Effekt wird diese Möglichkeit des Recyclings auf das Jahreseinkommen von Gesellschaften und das BIP haben? Die Produktion verringert sich, da auf dem Markt Produkte sein werden, die lange halten und deshalb wird es nicht notwendig sein, ständig neue herzustellen. Der Ertrag erstreckt sich in einem größeren Zeitraum. Die Kunden werden jährliche Gebühren bezahlen, anstelle dessen, dass sie das Produkt kaufen. Der Verkauf von Rohstoffen und Verbrauchsware verringert sich, da ein großer Anteil dessen, was für die Produktion notwendig ist, in der Form von recyclebaren Materialien sein wird. Man kann viele ähnliche Beispiele finden. Für Interessenten an diesem Thema empfehlen wir folgenden Verweis: World Economic Forum 

Wie können wir die nachhaltige Entwicklung messen? Zwischen vielen Vorschlägen, die ich die Möglichkeit zu vernehmen hatte (zum Beispiel bei der Konferenz in Davos dieses Jahr), kommt mir am interessantesten dieser vor, der bereits in Kanada durchgeführt wird. Die Zusammenfassung des Berichts „Comprehensive Wealth in Canada 2018 - Measuring What Matters in the Long Term“, den die Stiftung Ivey Foundation und der Think-tank International Institute for Sustainable Development im Jahr 2018 herausgab, schließt folgendes ein:

Comprehensive Wealth in Canada 2018 – Measuring What Matters in the Long Term (.pdf)

„Das BIP drückt die momentanen Einkommen aus. Das, wovon es allerdings langfristig abhängt, ist der Reichtum, die Grundlage der zukünftigen Einkommen. Genauer gesagt, das natürliche, menschliche, finanzielle und soziale Kapital eines Landes bestimmt seine Aussichten für die Zukunft.

  • Das produzierte Kapital setzt sich aus Gebäuden, Maschinen und Infrastrukturen zusammen, die in Besitz von Haushalten, Unternehmen und Regierungen sind.
  • Das natürliche Kapital schließt Wälder, Seen, Mineralien, fossile Brennstoffe, Boden und weitere Elemente ein, die das natürliche Umfeld bilden.
  • Das menschliche Kapital ist der Wert der Fertigkeiten und Kenntnisse, die Menschen haben, die die Arbeitskraft bilden, so, wie das durch das lebenslange Potential des Verdiensts ausgedrückt wird.
  • Das Finanzkapital schließt Aktien, Obligationen, Bankeinlagen und weitere Bankaktien ein, die in Besitz von Haushalten, Unternehmen und Regierungen sind.
  • Das soziale Kapital misst das Maß der gesellschaftlichen Einbindung und des Vertrauens zwischen den Mitgliedern einer Gesellschaft.

Diese fünf Typen von Kapital bilden das, was als Gesamtrahmen des Reichtums genannt wird. Der Gesamtreichtum ist die Grundlage für die Produzierung aller Ware und Dienstleistungen, egal ob im oder außerhalb des Markts, der für die Unterstützung des Wohlstands notwendig ist. Damit der Wohlstand nachhaltig ist, muss der Gesamtreichtum stabil sein oder in der Zeit auf der Grundlage der Bevölkerungsanzahl wachsen. Wenn dem nicht so ist, nutzt das Land nicht seine produktive Basis aus und lebt eher aus dem Erbe, als es in die Zukunft schaut. Auf der Grundlage der Berechnungen von Kanada, aus der Sicht des Gesamtreichtums, war sein Wirtschaftswachstum zwischen 1990 und 2014 das langsamste unter den G7-Ländern, wobei das durchschnittliche Jahreswachstum 0,23 % war. Während des gleichen Zeitraums wuchs das BIP von Kanada 1,31 % pro Jahr. 



Adam Czyżewski

Adam B. Czyżewski, Ph.D., ist seit 2007 Chefökonom bei PKN ORLEN. Er ist Spezialist für Veränderungen in dem weltweiten Energiesektor, die aus Wirtschaftspolitik und revolutionären Innovationen resultieren

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