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Die Zukunft des Verkehrs sieht eher digital als elektrisch aus

Während des Kongresses Impact mobility rEvolution'18 der letzten Woche habe ich an einer Debatte über die Rolle öffentlicher Institutionen bei der Schaffung des Marktes für Elektroautos teilgenommen. Ich fand das Thema wichtig genug, um in einem breiteren Kontext angesprochen zu werden.

The future of transport

Elektroautos benötigen ein neues Ökosystem, das die Erwartungen der Menschen in Bezug auf Gesundheits- und Umweltfragen berücksichtigt. Die Rolle des Staates ist hier von entscheidender Bedeutung. Wenn wir jedoch die Rolle öffentlicher Institutionen nur aus der Sicht des Produktmarktes betrachten, d.h. aus der Sicht des Marktes für Elektroautos, werden wir den tieferen kausalen Zusammenhang, den Megatrend von E-MOBILITY, aus den Augen verlieren und sein Potenzial nicht nutzen. Der Megatrend umfasst zwar die Elektromobilität, ist jedoch ein viel breiterer Prozess.

Worum geht es in diesem Megatrend? Dabei geht es nicht nur darum, die traditionellen Motoren durch die Elektromotoren zu ersetzen, was im öffentlichen Verkehr bereits eindeutig stattfindet, und die Rolle des Staates zu reduzieren nur auf den Aufbau der Nachfrage nach Elektroautos durch ein System von Privilegien für die Benutzer solcher Autos,  steuerliche Anreize und die Entwicklung eines Ladennetzes für Elektroautos. Dies ist eine echte Revolution, die uns vom derzeitigen Mobilitätsmodell, in dem traditionelle, in Privatbesitz befindliche Autos, die von Fahrern angetrieben werden (im Jahre 2016 machten diese Autos 98,5% des weltweiten Umsatzes aus) die Mehrheit bilden, zu einem neuen Modell führt, in dem wir autonome Fahrzeuge verwenden werden, die mit anderen Personen, die in dieselbe Richtung reisen, geteilt werden.

Diese Revolution hat bereits begonnen. Der ökologische Fußabdruck im Personen-, Privat- und öffentlichen Verkehr zwingt uns, nach völlig neuen Lösungen zu suchen.  Die Stadtbewohner stecken bereits in riesigen Staus und leiden unter Smog. Treibhausgasemissionen sind mit bloßem Auge nicht sichtbar, aber die Zahlen lügen nicht. Bei Verbrennungsmotoren werden immer strengere CO2- und PM-Emissionsnormen festgelegt. Die Stadtverwaltungen führen in den Innenstädten emissionsfreie Zonen ein. Die Weltbevölkerung wird bis 2050 um weitere drei Milliarden Menschen wachsen. Wenn wir die fortschreitende Urbanisierung berücksichtigen, müssen wir uns von den bestehenden Modellen des Personenverkehrs verabschieden, auch wenn alle neuen Autos elektrisch betrieben werden.

Das Ersetzen eines Fahrzeugs mit einem Verbrennungsmotor durch ein mit einem Elektromotor angetriebenes Fahrzeug ist keine Lösung für die Staus in großen Städten. Was wir brauchen, ist eine verringerte Nachfrage nach Personenkraftwagen. Die Reduzierung der Anzahl der Fahrzeuge im Verhältnis zur Anzahl der Autofahrten ist ebenso notwendig wie die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks. Innovative Technologien können hier Abhilfe schaffen, sie werden es uns ermöglichen, einen höheren Bedarf an Reisen zu bewältigen, indem wir eine wesentlich geringere Anzahl von Fahrzeugen als heute verwenden.

Digitale Technologien sind ein entscheidender Treiber, da sie eine weitere Automatisierung in Richtung autonomer Fahrweise ermöglichen, d. h. digitale Roboter, die Personenverkehrsdienste anbieten. Im Gegensatz zum Menschen haben Roboterfahrer kein Konzept von Müdigkeit, sie können sich rund um die Uhr auf der Straße konzentrieren. Es ist zweifellos ein immenser Fortschritt, aber noch keine Revolution, denn auch die Taxis arbeiten 24 Stunden am Tag - nur ihre Fahrer wechseln. Eine Revolution wird stattfinden, wenn die Menschen, anstatt mit dem eigenen Auto zu reisen, Transportdienste in Anspruch nehmen werden: von Taxis mit Fahrern über Car-sharing bis hin zu Fahrdienstvermittlungen. All dies ist bereits jetzt möglich und verfügbar dank digitaler Applikationen, die Kunden mit Fahrern (Uber, BlaBlaCar) und verfügbaren Fahrzeugen (Traficar) verbinden.

Durch die zunehmende Nutzung von Personenkraftwagen, die durch digitale Technologien erzielt wird, werden die Preise dieser Dienste gesenkt, und die Leichtigkeit, mit der ein Fahrzeug angehalten wird, ermutigt die Kunden, diese zu nutzen. Die Vorteile des Kaufs von Reisedienstleistungen im Vergleich zum eigenen Auto sind nicht zu bestreiten. Es besteht keine Notwendigkeit, die erheblichen Fixkosten, die mit dem Besitz eines Autos verbunden sind, zu decken (gesperrte Gelder, Abschreibung eines Autos, Versicherung, Werkstattkosten). Sie verschwenden Ihre Zeit auf der Suche nach einem Parkplatz nicht und müssen keine Parkgebühren zahlen. Die Verfügbarkeit autonomer Elektrofahrzeuge wird die Attraktivität der Personenverkehrsdienste erhöhen.

Es gibt mindestens vier Gründe zu der Annahme, dass sich die autonomen Elektrofahrzeuge im neuen Mobilitätsmodell durchsetzen werden. Erstens, diese Fahrzeuge emittieren keine Abgase und das macht sie im Stadtverkehr, ungeachtet der Emissionsraten bei ihrer Herstellung und des von ihnen verbrauchten Stroms, zum bevorzugten Transportmittel.

Zweitens, diese Fahrzeuge sind einfach zu bauen und im Vergleich zu Verbrennungsmotor-Gegenstücken wird es billiger sein, sie herzustellen. Der Elektromotor ist einfacher zu bauen und effizienter als ein Verbrennungsmotor. Die Elektrofahrzeuge haben keine so komplexen Mechanismen wie ein Getriebe und auch keine schnell verschleißenden Teile wie eine Kupplung oder einen Anlasser, und die kinetische Energierückgewinnungssysteme verlängern die Lebensdauer der Bremsen. Autonome Fahrzeuge werden keine teuren Bodenbleche benötigen, an denen einheitliche Konstruktionen mit entsprechenden Knautschzonen „hängen“. Die Sicherheit wird stattdessen durch digitale Roboter gewährleistet.

Drittens, es geht um Synergien zwischen Ökostromproduzenten und Eigentümern von Autobatterien, die zum Hauptempfänger und -speicher vom Strom werden. Gegenwärtig verhindern die Kosten von immer größeren Batterien die Preissenkungen, da dies die einfachste Möglichkeit ist, die Reichweite zu erhöhen. Die Autobatterien bieten eine einfache und kostengünstige Lösung für das Problem der Speicherung von Energie aus intermittierenden Quellen wie Wind- oder Sonnenenergie. Sie sind bereits im System, man muss sie nur teilen. Zu diesem Zweck muss die entsprechende Software entwickelt werden, um den Stromfluss in beide Richtungen zwischen dem Netzwerk und der Batterie zu ermöglichen und diesen Fluss angemessen zu steuern. Laut den Experten des italienischen Energieunternehmens ENEL, der Zugang zu fünf Prozent der Kapazität von 100.000, in Tesla-Fahrzeugen installierten, Batterien aus, reicht um den Bedarf von Rom an Strom zu decken, der aus intermittierenden Quellen erzeugt wird. Die Vorteile eines solchen Backups gegenüber der Alternative des Baus und der Instandhaltung von Ziegel- und Mörtelspeichereinrichtungen würden es der Gesellschaft ENEL ermöglichen, für jedes gekaufte Elektroauto Anreize in Höhe von 10.000 USD zu zahlen.

Die Einfachheit von Elektroautos wird dazu führen, dass viele Automobilhersteller und Länder, in denen die Automobilindustrie eine führende Industrie ist, ihre Wettbewerbsvorteile verlieren, die sie durch langjährige Erfahrung im Bau von Bodenwannen, Verbrennungs- und Selbstzündungsmotoren oder Automatikgetrieben gewonnen haben. Das Konzept eines Elektrofahrzeugs und das Beispiel von Tesla beweisen, dass jeder praktisch von vorne anfängt und dass es jedermanns Spiel ist. Diese Gelegenheit kann und muss vor allem genutzt werden.

Welchen Weg wir auf dem Weg zur neuen Mobilität gehen werden, hängt weitgehend vom Staat ab, da es die Rolle des Staates ist, soziale und wirtschaftliche Prozesse zu gestalten und zu koordinieren. Ich würde sagen, dass soziale Vorteile, die die neue Mobilität bietet, d.h. die Verbesserung des Zustands der natürlichen Umwelt (Luft), der Gesundheit und der Lebensqualität, unabhängig davon erzielt werden können, ob ein Land Elektroautos herstellt oder nicht. Die wirtschaftlichen Gewinne sind jedoch größer, wenn solche Autos, auch von Grund auf, neu projektiert und hergestellt werden, bauend einen Prototyp von dem, was auf dem Markt erhältlich ist. Viele Länder folgten diesem Szenario in Bezug auf traditionell angetriebene Autos. Im Fall von Elektrofahrzeugen ist die Eintrittsbarriere wesentlich niedriger.



Adam Czyżewski

Adam B. Czyżewski, Ph.D., ist seit 2007 Chefökonom bei PKN ORLEN. Er ist Spezialist für Veränderungen in dem weltweiten Energiesektor, die aus Wirtschaftspolitik und revolutionären Innovationen resultieren

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