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Anstieg der Unsicherheit und der Erdölpreise

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Das Öl sollte einige Zeit lang billiger sein und stattdessen ist es teuer geworden. Hinter der Erhöhung der Spotpreise für Öl  auf mehr als 70 US-Dollar je Barrel Brent sind geopolitische Faktoren verantwortlich, die die üblichen Öllieferungen beeinträchtigen können. Zu den Wichtigsten davon gehört Risiko für Konfliktausbrüche im Region des Persischen Golfs, jedoch auch Zerfall der Erdölindustrie in Venezuela. In Folge dessen kommt es zu einer solchen Situation, mit der die Voraussetzung der Erhaltung höherer Preise während einer gewissen Dauer zusammenhängt. Es reicht zu sagen, dass die Prognosen von durchschnittlichen Rohölpreisen der Sorte Brent für die Jahre 2018 und 2019, die den Rücktritt der USA vom Atomdeal mit Iran voraussetzen, derzeit höher sind, und zwar mindestens um 7 bis 10 Dollar als vor einem Monat.

Die Ernennung des Generals Mikea Pompe zum Außenminister und John Bolton zum Nationalem Sicherheitsberater schobe die amerikanische Außenpolitik nach den Kommentatoren in eine stärkere Konfrontationsposition. Die Reaktion des Erdölmarktes ließ nicht lange auf sich warten. Schon am 23. März überstieg der Erdölpreis Brent die Grenze von 70 Dollar je Barrel. Ein weiterer Faktor, der das Risiko förderte, erschien am 11. April, wo der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin bedeutete, dass die USA „gegen Iran sehr scharfe Sanktionen“ verhängen können, da der US-Präsident Donald Trump nach einer Redefinierung des internationalen Abkommens strebe, die das Kernprogramm Irans einschränkt. Nach dieser Mitteilung überstieg der Erdölpreis Brent die Grenze von 72 Dollar und stieg sogar fernerhin damit, wie sich der Entscheidungstermin näherte, der auf den 12. Mai gesetzt wurde. Der Preisaufstieg  resultierte aus einer Überzeugung, dass die wiederholte Verhängung von US-Sanktionen gegen Iran unwiderlegbar ist, und eine geringfügige Senkung nur ein Indiz der Unsicherheit so war, wie spürbar diese Sanktionen werden.

Der Präsident Donald Trump hat sich auch trotz Gegenstellung der europäischen Alliierten am 08. Mai entschlossen, vom Kernabkommen mit Iran zurückzutreten. Heutzutage ist es schwierig vorzusehen, welche Folgen dieser Schritt hat. Das Einzige, was wir wissen, ist, dass die Sanktionen am Stärkesten gegen Iran fallen. Vor der Entschlussfassung wurde erwartet, dass – mit Rücksicht auf einen wahrscheinlichen Protest von China und Russland und eine Nichtzustimmung der Europäischen Union – die Sanktionen nicht so spürbar werden wie im Falle der internationalen Sanktionen aus dem Jahre 2012. Nach Abschätzungen von IHS Markit könne Iran in 2018 den Export in der Höhe von 200 000 Barrel täglich verlieren und in 2019 sogar 500 000 Barrel pro Tag. Aber die Frage ist die Reaktion von Iran selbst, der heute deklariert, seine Bereitschaft mit dem Abkommen mit einer kleineren Anzahl von Parteien fortzusetzen, ohne die USA. Es ist jedoch nicht klar, wie er sich in einem längeren Zeithorizont verhalten würde.

Die Schwierigkeiten mit der Beurteilung der Folgen gehen vor Allem davon hervor, dass wir mit einem Anstieg der Unsicherheit betreffend weitere Entwicklung der Situation im Nahen Osten und auch Verhältnisse zwischen den USA und Europa, Nordkorea, Russland und China zu tun haben. Die Spannungen im Gebiet des Persischen Golfs dauern schon seit einer längeren Zeit. In bedeutendem Maße spielten hier politische Änderungen in Saudi-Arabien eine Rolle. Das Königreich befürchtet die Wiedererrichtung des iranischen Kernprogramms und ähnlich wie Israel und Vereinigte Arabische Emirate bemüht sich den Einfluss von Iran auf umliegende Staate zu hemmen.  Die Ambitionen von Saudi-Arabien, das nach der Position eines starken Spielers im Region strebt, sind finanziell sehr kostspielig. Und das ist gerade der Grund, warum Saudi-Arabien seine Strategie der Rohölförderung änderte und von der Verteidigung seiner Marktposition in die Unterstützung der Preissteigerung bis auf min. 80 Dollar für ein Barrel überging.

Nach der Entscheidung des Präsidenten Trump stieg der Erdölpreis (Brent) auf und derzeit oszilliert um 77 Dollar je Barrel. Ist dies ein Vorzeichen für langfristig höhere Preise? Meiner Meinung nach nicht doch, somit nur in einem solchen Falle, dass sich weitere das Risiko fördernde Faktoren nicht herausstellen. Auf dem Markt fungieren nämlich selbstregulierende Mechanismen, die den Preisaufstieg im zeitlichen Rahmen einiger Vierteljahre prinzipiell hemmen können, die aus der Angebotsstörung stammen. 

Sei dessen eingedenkt, dass die Anfrage nach Erdöl derzeit mit einem Tempo von ca. 2 Millionen Barrel täglich wächst. Die Ursache war hier eine lange Periode von niedrigen Erdölpreisen in bedeutendem Maße. Hätte ein solcher Anstieg seit einigen Quartalen fortgesetzt, hätte dies eine negative Auswirkung auf die Nachfrage nach Erdöl in den Ländern gehabt, die Erdöl importieren. Höhere Preise von Kraftstoff mindern nämlich das verfügbare Einkommen. In solchen Fällen bevorzugen individuelle Verbraucher billigeren Sammeltransport und kaufen weniger Kraftstoffe ein. Wirtschaftliche Subjekte verfügen über diese Wahl nicht. Auf Grund der Transportkostensteigerung generieren diese einen kleineren Mehrwert, niedrigeren Gewinn und investieren weniger. Zu dieser Adaptation kommt es nicht ab sofort – üblicherweise sind dazu zwei oder drei Quartale notwendig. Höhere Erdölpreise sind im Gegenteil für die Exporteure vorteilhaft, nichtsdestoweniger zeigen die Untersuchungen des Internationalen Währungsfonds (IWF), dass der Erdölpreisanstieg zur Hemmung des Zuwachstempos der Weltwirtschaft im gesamtweltlichen Maßstab führt.

Ist die geopolitische Spannung globalen Ausmaßes Grund für den Erdölpreisanstieg so, wie es heutzutage geschieht, dann hat solche Situation einen direkten Einfluss auf die Abschwächung der gesamtweltlichen Konjunktur und in Folge dessen wird auch die zukünftige Nachfrage nach Erdöl eingeschränkt. Und was ist noch wichtiger, geopolitische Risiken treten in der fortgeschrittenen Globalzyklusphase der Konjunktur auf, die bereits seit 9 Jahre andauert, und überlappen sich mit dem schon angefangenen Zyklus der Zinssatzerhöhung in der Welt. Die Chefin des IWF Christine Lagarde verwarnte vor den Folgen des steigenden Risikos von Handelskriegen und auch vor einr schnell zunehmenden gesamtweltlichen Verschuldung. Nach Lagarde seien die Regeln, die die Grundlagen des globalen Handels definieren, durch einen Zerfall bedroht, was das Wirtschaftswachstum direkt beschädige und die Nachfrage nach Erdöl reduziere.

Nach IHS Markit könnten bekannte geopolitische Faktoren während der folgenden zwölf Monate zu einer Anstiegsminderung der globalen Nachfrage nach Erdöl und flüssigen Brennstoffen in 2019 führen, und zwar auf 1,2 - 1,5 Million Barrel täglich. Und dies bedeutete für das Erdöl und Raffinerieprodukte selbst 0,7 - 1,0 Million Barrel pro Tag.

Kommt etwas Grundsätzliches nicht vor, werde der Nachfrageanstieg bei diesem kleineren Maßstab durch die Förderung in den Vereinigten Staaten gedeckt werden. Nach IHS Markit werde im Falle von durchschnittlichen Rohölpreisen (WTI) auf dem amerikanischen Markt, die sich auf dem Niveau höher als 60 Dollar je Barrel halten (was den Erdölpreisen Brent über 65 Dollar entspricht), die Förderung um 1,2 Million Barrel pro Tag in diesem Jahre steigen, und im nächsten Jahr sogar um 1,1 Million bbl. Zum Vergleich: Die Förderung in anderen Ländern außer OPEC-Staaten erhöht sich um 0,3 und 0,6 Million bbl. Warum wird immer mehr Schiefersteinöl gefördert? Ein bedeutsamer Faktor ist technologischer Fortschritt im Bereich der Förderung, die den täglichen Ertrag aus einzelnen Bohrungen erhöht. Dank innovativen Technologien wurde die Förderung in der Region Permian Basin in Texas angekurbelt, wo mehr als 700 000 Barrel Rohöl pro Tag gefördert wird. Zum Vergleich: Die Ölgewinnung aus dem Boden des Golfs von Mexiko ist zehn Mal niedriger.

Die Rückkehr zu der Prämie für das geopolitische Risiko bedeutet, dass die Preise während einer gewissen Dauer höher und sehr veränderbar seien. In einem längeren Zeithorizont  müssen wir uns vom Erdölmangel nicht fürchten, die Unsicherheit betrifft vor Allem die Nachfragegröße. Eine solche Verteilung der Marktkräfte würde den Druck auf die Preise nicht bilden. Eine langfristige Preisaussicht hängt einerseits von der Entwicklung von neuen Technologien ab, die die Ausnutzung von Öl im Transport unterstützen, andererseits von ökologischen und klimatischen Gesetzen, die auf die Reduzierung von Emissionen im Transport drücken. Alle beiden Faktoren können den Markt überraschen. Als Ergebnis solcher Überraschung sind gerade die Preiszyklen. Dies ist jedoch das Thema für einen weiteren Beitrag.



Adam Czyżewski

Adam B. Czyżewski, Ph.D., ist seit 2007 Chefökonom bei PKN ORLEN. Er ist Spezialist für Veränderungen in dem weltweiten Energiesektor, die aus Wirtschaftspolitik und revolutionären Innovationen resultieren

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