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CERAWeek 2018

Im März fand in Houston, Texas, dem Herzen der US-Ölindustrie, zum 37. Mal die CERAWeek statt, die größte globale Energiekonferenz. Das Thema des diesjährigen Treffens lautete ‘Tipping Point: Strategien für eine neue Zukunft der Energie’, was sehr gut die Ungewissheit widerspiegelt, welcher sich der gesamte Energiesektor gegenübergestellt sieht, angefangen bei den Öl- und Gasproduzenten bis hin zu Energieunternehmen und Autoherstellern.

Die Agenda der CERAWeek umfasste viele Themen: von der Unsicherheit bezüglich Spotmärkten und Geopolitik bis hin zu den langfristigen Auswirkungen von Technologien, Umweltschutzprogrammen, Investitionen, Infrastruktur sowie den Fähigkeiten und der Arbeitskraft von morgen.

Ein paar Worte vorab zu der Geschichte der Veranstaltung selbst, an der sich Vertreter von PKN ORLEN mittlerweile seit mehr als 15 Jahren aktiv beteiligen. Die Konferenz wurde nach den Cambridge Energy Research Associates (CERA) benannt, einem im Jahr 1983 von Daniel Yergin und James Rosenfield gegründeten Energieforschungs- und Beratungsunternehmen. Das Unternehmen wurde schnell für seinen kritischen Einblick in und seine unabhängige Analyse von Energiemärkten, Geopolitik, Branchentrends, Technologien und Strategien bekannt. Gründer und Leiter der Konferenz ist der Mitbegründer von CERA Daniel Yergin, PhD, US-amerikanischer Autor, Redner und Wirtschaftshistoriker, der vor allem durch sein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Buch Bekanntheit erlangt hat: The Prize: The Epic Quest for Oil, Money, and Power (Der Preis - Die Jagd nach Öl, Geld und Macht, 1992). Seine Bücher The Quest: Energy, Security, and the Remaking of the Modern World (Die Suche: Energie, Sicherheit und die Neuerschaffung der modernen Welt) und The Commanding Heights (Die Kommandohöhen) wurden ins Polnische übersetzt; letzteres wurde unter der Schirmherrschaft von PKN ORLEN als langjährigem Partner von CERA veröffentlicht. Kommen wir nun auf die diesjährige CERAWeek zurück. Die Veranstaltung hatte mehr als 3.500 Teilnehmer (darunter 30 Minister und Funktionäre) aus über 70 Ländern. Die Plenarreden der Konferenz umfassten Präsentationen zu einer Vielzahl von Strategie- und Investment-Herausforderungen im gesamten Energiesektor, sowohl global als auch regional. Mehr als 400 Spitzenreiter aus der ganzen Welt, die an mehr als 180 Sitzungen teilnahmen, versammelten sich, um Einblicke in diese Herausforderungen zu gewinnen und geeignete Lösungen zu finden. Eine interessante Initiative war die Innovation Agora, die sich verändernde Geschäftsmodelle und neue und aufkommende Technologien vorstellt: von der Digitalisierung über Blockchain, Robotik, Energiespeicherung bis hin zur Mobilität, welche die Grundlage der zukünftigen Energielandschaft bildet.

Welche Redner der CERAWeek 2018 haben besondere Aufmerksamkeit verdient? Die Rednerliste enthielt die Geschäftsführer von weltweit agierenden Ölgesellschaften: Ben van Beurden, CEO von Royal Dutch Shell, Bob Dudley, CEO von BP, Patrick Pouyanne, CEO von Total SA, und Ryan Lance, Vorstandsvorsitzender und CEO von ConocoPhilips, ebenso wie Geschäftsführer von nationalen Ölgesellschaften wie Amin Nasser, Vorsitzender und CEO von Saudi Aramco, oder Pedro Parente, CEO von Petrobras. Die Zukunft der Ölindustrie wurde ebenfalls von den Vorständen internationaler Organisationen diskutiert: Mohammad Sanusi Barkindo, Generalsekretär der OPEC, Fatih Birol, Geschäftsführer der International Energy Agency, sowie von Geschäftsführern von Automobilunternehmen: Mary Barra, Vorstand und CEO von GM. An der Konferenz nahmen unter anderem Rick Perry, Energieminister der Vereinigten Staaten, und Sultan Ahmed Al Jaber, CEO der Abu Dhabi National Oil Company, Vereinigte Arabische Emirate, teil.

Zu welchen Schlussfolgerungen kamen die Geschäftsführer aus aller Welt? Um es kurz zu machen: Das Vertrauen in die Ölindustrie ist zurückgekehrt. Obwohl die Erinnerung an fallende Ölpreise immer noch frisch ist, gehören sie der Vergangenheit an. Der Niedrigpreisdruck hat Mechanismen zur Anpassung der Explorations- und Produktionskosten an das neue Preisniveau ausgelöst. Wie Bob Dudley von BP sagte, ist der Markt bei 66 USD pro Barrel ausgeglichener als früher bei 100 USD pro Barrel. Da die Nachfrage aufgrund niedriger Preise rasant wächst, steigen auch die Investitionen im Upstream-Bereich, nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Teilen der Welt.

Dies ist jedoch noch kein Grund zur Freude, da viel Unsicherheit besteht. Kurzfristig könnte die wachsende Schieferölproduktion in den USA die Preissteigerungen bremsen und vor Investitionen abschrecken. Auf lange Sicht gesehen besteht Unsicherheit hinsichtlich der Nachfrage nach Öl. Keiner der Hauptakteure erwartet einen Rückgang der weltweiten Nachfrage, aber alle sind sich einig, dass sich ihr Wachstum verlangsamen wird. Ihrer Meinung nach wird die Nachfrage in den nächsten Jahrzehnten eher zu einem stabilen Niveau als zu einem Höchststand führen. Auf dem Weg zur Stabilität der Ölnachfrage sollte der Ölpreis (der reale Preis, in heutigen Dollar) steigen und sich dann stabilisieren. In welchem Bereich? Es wurden keine Zahlen genannt, weil der Preis als solcher für die Ölindustrie nicht so wichtig ist wie sein Verhältnis zu den Kosten der Exploration und Produktion, die - dank des technologischen Fortschritts - für einen Großteil der Ölfelder abnehmen.

Der Upstream-Sektor teilt die Ansicht, dass die Ölreserven ausreichen, um die zukünftige Nachfrage langfristig zu einem vernünftigen Preis zu decken. Dies erfordert jedoch die Exploration und den Produktionsstart auf neuen Feldern (YTF, yet to find - noch nicht entdeckte Felder). Der Bedarf an neuen Feldern ist offensichtlich, da auf heute bestehenden Feldern mit einer Rate von etwa 2,5-3,0 Mio. Barrel pro Tag gefördert wird - solche Mengen müssen heute produziert werden, um eine unveränderte Nachfrage zu decken. Auch wenn der Ölsektor heute davon ausgeht, dass sich die Nachfrage einpendeln wird, wird dieser Glaube vom Finanzsektor, der Mittel für Upstream-Projekte bereitstellt, nicht geteilt.

Der Keim der Unsicherheit wurde 2015 gelegt, als der Ölpreis fiel und klar war, dass er sich nicht so bald erholen würde. Es war die Zeit, in der prognostiziert wurde, dass mit einem Ende (des Wachstums) der Ölnachfrage und Aussichten auf stabile niedrige Preise gerechnet werden müsse. Der Finanzsektor zeigte Anzeichen von Besorgnis, da die Ölpreise als Grundlage für die Bewertung von Ölgesellschaften und vieler Finanzanlagen dienen. Die ersten Bedenken äußerte der Direktor der Bank of England, Mark Carney, der auf einem Treffen von Lloyd's of London (Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen) am 29. September 2015 in London die Aufmerksamkeit auf das langfristige finanzielle Stabilitätsrisiko richtete, welches durch die Beeinträchtigung der Energiesektor-Vermögenswerte infolge des Klimawandels verursacht wurde. Anschließend gab Mark Carney als Vorsitzender des Financial Stability Board, einer internationalen Organisation, die das globale Finanzsystem überwacht und Empfehlungen ausspricht, am 4. Dezember 2015 in Paris bekannt, dass die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (Task-Force für klimabezogene Finanzinformationen, TCFD) mit Michael R. Bloomberg als Vorsitzendem gegründet würde. Im Juni 2017 veröffentlichte die TCFD Empfehlungen zur Publizierung der Gefährdung durch klimabedingte Risiken, die tatsächlich als Reporting-Standards für Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 1 Mrd. USD umgesetzt werden. Im Dezember 2017 haben 230 Organisationen, darunter 150 Finanzinstitute mit einem Gesamtvermögen von mehr als 80 Billionen USD, viele große Energieunternehmen, die Regierungen europäischer Länder und die Londoner Börse die TCFD-Empfehlungen übernommen. Laut der TCFD ist der Energiesektor aufgrund der Veränderungen in der Nachfrage nach fossilen Brennstoffen, in Produktions- und Anwendungstechnologien sowie Emissionsreduktionen und Wasserverfügbarkeit einem klimabedingten Risiko ausgesetzt. Daher ermutigen die TCFD-Empfehlungen nicht dazu, in Exploration und Produktion aus neuen Ölfeldern zu investieren.

Weitere Informationen über praktische Auswirkungen dieser Situation auf Öl- und Gasunternehmen sowie weitere Beobachtungen von der CERAWeek werden im nächsten Beitrag veröffentlicht.



Adam Czyżewski

Adam B. Czyżewski, Ph.D., ist seit 2007 Chefökonom bei PKN ORLEN. Er ist Spezialist für Veränderungen in dem weltweiten Energiesektor, die aus Wirtschaftspolitik und revolutionären Innovationen resultieren

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