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Das Öl trotzt den OPEC Plänen

Kürzlich basierten die Rohölpreisvoraussagen für mehrere Jahre im Voraus auf der Annahme, dass Versorgungsengpässe – da einige konventionelle Upstream-Projekte in Wartestellung gesetzt wurden – von Bedeutung sein und die Preise schon im Jahre 2018 in die Höhe treiben würden. Die Unsicherheit wurde nur mit dem Ausmaß dieser Engpässe und deren übermäßigem Druck auf die Preise in Verbindung gebracht. Diese Prognose für die Ölpreise wurde Ende 2016 durch die International Energy Agency vorgestellt. Ich denke auch, dass die Idee hinter dem OPEC−Russland-Deal zur Senkung der Ölproduktion darin bestand, die Ölpreise stabil zu halten, bis dieser Marktdruck stärker wird. Unsere eigenen Preisszenarien von Ende 2016 sahen einen übermäßigem Druck auf die Ölpreise vor.

Die Entwicklungen auf dem weltweiten Rohölmarkt im Q2 2017 setzten ein Fragezeichen hinter diese früheren Erwartungen. Wir deuteten die Möglichkeit, dass sich die Erwartungen ändern können, in unserer Mai Post an. Weitere Informationen über den Ölmarkt unterstützten die Behauptung, dass sich kein übermäßiger Preisdruck andeutet und diese Situation über das Jahr 2018 hinaus andauern könnte. Der Hauptgrund war die rapid ansteigende starke Ölproduktion in den USA. Anfang 2017 wurde deren erwarteter Anstieg auf 0.4 mbd geschätzt, während die jüngsten Schätzungen eher bei 1.0 mbd liegen. Das überraschenderweise bedeutende Wachstum bei der Versorgung wurde jedoch nicht durch steigende Rohölpreise verursacht, sondern durch markante Zunahmen bei der Produktionseffizienz. Darüber hinaus sind die Erwartungen bezüglich der Produktion in den USA zunehmend hoch. Zum Beispiel korrigierte IHS Markit Ende Juni ihre Voraussage für die Ölproduktion in 2018 (Januar−Dezember) auf 550.000 bd nach der 300.000 bd Voraussage im Mai. In Erwartung einer Übereinkunft über die Senkung der Produktion durch die OPEC und in den wenigen Monaten nach der Entscheidung machte das Ölpreiswachstum die Freigabe von einigen der US Rohölvorräten rentabel, was eine steigende Versorgung zur Folge hatte. Die wurde und wird höchstwahrscheinlich auch durch eine erhöhte Produktion in Libyen und Nigeria (die OPEC-Länder ausgenommen von der Abmachung über die Produktionssenkung) und anderen Rohöl exportierenden Ländern unterstützt werden, da sie gezwungen sein werden die Verkäufe zu erhöhen, um die Einnahmequellen auf einem niedrigen Preisumfeld zu halten.

Das Überangebot von Rohöl in Bezug auf die ordentlich steigende Nachfrage wird derzeit vom Markt für die nächsten vier bis sechs Quartale erwartet. Ein Argument zur Unterstützung ist die Reaktion des Ölpreises auf die Ausweitung des Übereinkommens über die Produktionssenkung zwischen OPEC und Russland. Die Preiserhöhungen waren nur vorübergehend und endeten am 25. Mai, als das Übereinkommen bekannt gemacht wurde. Der Markt glaubt, dass die gesamte Produktionssenkung durch die OPEC nicht ausreichen wird, um die erhöhte Versorgung von Nicht-OPEC-Ländern zu kompensieren.

Das wahrgenommene Überangebot erklärt auch die Widerstandsfähigkeit des Preises gegenüber dem Risiko von Versorgungsstörungen. Vor fünf Jahren trieb jede geopolitische Unruhe im Mittleren Osten oder im Persischen Golf die Preise in die Höhe. Der Arabische Frühling addierte beinahe 20 USD (20%) als Risikozuschlag zu dem Ölpreis. Gegenwärtig haben weder der Krieg in Syrien (im Laufe der aufeinander folgenden Phasen) noch die Blockade von Katar eine sichtbare Auswirkung auf den Preis.

Lassen Sie uns einen Blick auf die Zahlen werfen. Ende Juni schätzte die IHS Markit, dass im Jahre 2017 die weltweite Nachfrage nach Öl und Flüssigbrennstoffen um 1.5 mbd anwachse, was im Jahresvergleich einer Erhöhung von 0.1 mbd entspreche, während das Gesamtproduktionsvolumen langsamer anwachsen werde, und zwar um 1.1 mbd. Die OPEC-Länder werden den Ausstoß um 0.1 mbd reduzieren. Andererseits werden die Nicht-OPEC-Länder, hauptsächlich USA und Kanada, die Produktion um 0.7 mbd erhöhen. Im Jahre 2017 wird der finale Faktor, der das Gleichgewicht zwischen Versorgung und Nachfrage gestaltet, die Reduzierung der Vorräte von Öl und Flüssigbrennstoffen sein. Im Gegensatz dazu wird sich die Lage im Jahre 2018 wenden. Eine Erhöhung der Versorgung, geschätzt auf 2.3 mbd, wird wiederum eine sehr beträchtliche Erhöhung der Nachfrage von 1.7 mbd übersteigen. Die Überversorgung wird die Vorräte von Öl und Flüssigbrennstoffen wiederaufstocken, und somit als Stoßpolster dienen, das jede Versorgungslücke auffüllt, die aus fallen gelassenen Upstream-Projekts resultieren könnte, deren Umfang bislang unbekannt ist. Es ist daher plausibel, dass der Durchschnittspreis von Rohöl im Jahre 2018 nicht höher als im Jahre 2017 sein wird oder sogar fallen könnte, sofern das OPEC Kartell und Russland nicht den Markt durch eine ausreichend große Produktionssenkung überraschen wird, was heute als höchst unwahrscheinlich gilt.



Adam Czyżewski

Adam B. Czyżewski, Ph.D., ist seit 2007 Chefökonom bei PKN ORLEN. Er ist Spezialist für Veränderungen in dem weltweiten Energiesektor, die aus Wirtschaftspolitik und revolutionären Innovationen resultieren

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