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Die energetische Transformation beginnt bei uns (beim Verbrauch?)

PKN Orlen wurde am 9. 9. 2020 durch das Verkünden des Ziels der klimatischen Neutralität bis zum Jahr 2050 zum ersten Brennstoffkonzern Mitteleuropas, der einen derartig ehrgeizigen Plan festgesetzt hat. 

Den 30. November 2020 haben wir in der Strategie #ORLEN2030 offen gelegt, auf welche Art und Weise wir zum Leader der energetischen Transformation in diesem Teil Europas werden wollen. Die Strategie ist ein Firmendokument, dass für die bestehenden und potentialen Aktionäre bestimmt ist, und sie befasst sich verhältnismäßig wenig mit der Erläuterung, was die energetische Transformation, von der zurzeit so viel gesprochen wird, eigentlich ist. Deshalb haben wir zusammen mit der Strategie den Sonderbericht „Energetische Transformation“ herausgegeben, der für jedermann bestimmt ist, der an der „grünen Wirtschaft“ interessiert ist. Im Bericht erläutern wir verständlich, was für Änderungen in unserem Leben die energetische Transformation bewirken wird, wie sich infolge der Transformation unsere Firma sowie ihre Wirtschaftstätigkeit verändern werden.

Wir beginnen damit, dass, die energetische Transformation nicht das Ziel ist. Es handelt sich um das Mittel, das das Gleichgewicht zwischen unserem gegenwärtigen Lebensstil und den Naturgesetzen wiederherstellen soll. Die Industrieproduktion, die mit der durch das Verbrennen der Brennstoffe aus den Gruben gewonnenen Energie angetrieben wird, hat dieses Gleichgewicht beeinträchtigt. Der Anfang des Zeitraums der Kohle greift in die Zeiten zurück, in denen die Welt knapp zwei Milliarden Menschen bewohnten. Zurzeit sind es mehr als sieben Milliarden und wir gewinnen elektrische Energie nach wie vor durch das Verbrennen. Der in der Atmosphäre angesammelte Kohlendioxid erhöht dauerhaft ihre durchschnittliche Temperatur, infolgedessen das Gleichgewicht in der Natur beeinträchtigt wird. Wir schätzen, dass sich in den nächsten dreihundert Jahren die Zahl der Menschen auf der Erde um weitere fast drei Milliarden erhöhen wird und es ist physisch nicht möglich, dass sie ihre Lebensbedürfnisse auf dieselbe Art und Weise, wie wir es bisher tun, zufriedenstellen. Es ist also notwendig, vom Verbrennen Abstand zu nehmen und elektrische Energie mithilfe der Naturkräfte zu gewinnen. Wir sind dazu bereits in der Lage und machen es auf verschiedenen Stellen des Planeten mit Erfolg. Und jetzt geht es darum, dass es sich überall, in allen Ländern, verbreitet. Wir können die globale Erwärmung nicht lokal stoppen.

Beim aktuellen Stand der Wissenschaft und dem technologischen Niveau, ist es nicht möglich, vollständig von Molekülen auf Elektronen umzusteigen. Wenn wir keine ausreichende energiedichte Träger (Lager) für die elektrische Energie haben, können wir nicht vollständig auf das Gewinnen elektrischer Energie durch das Verbrennen verzichten, wobei dieser Prozess mit Kohlendioxidemissionen verbunden ist. Deshalb streben wir bei der energetischen Transformation die Reduktion der Emissionen auf Null an, wir sprechen jedoch über Netto-Emissionen, die mit der Absorption des Kohlendioxids aus der Atmosphäre verbunden sind. Eine wichtige Rolle spielen aus dieser Sicht die Land- und Waldwirtschaft. Nicht nur im Hinblick auf die Begrenzung der Kohlendioxidemissionen und Begrenzung sonstiger Treibhausgase in der Pflanzen- und Fleischproduktion der Landwirtschaft, sondern auch durch die Steigerung der Kohlendioxidabsorption dank Vergrößerung der Grünflächen. Das erfordert von uns, den Verbrauchern, Änderungen der Essgewohnheiten und einen größeren Respekt vor der Natur.

Die energetische Transformation betrifft sowohl das Angebot, als auch die Nachfrage. Wir verbrauchen die Energie nicht direkt. Wir brauchen sie für das Zufriedenstellen unserer Verbraucherbedürfnisse und fragen zugleich bestimmte Energieträger nach. Wenn wir Kohlenheizkessel haben, fragen wir Kohle nach. Ohne den Kessel auszutauschen, können wir nicht zur Heizung mit Gas übergehen. Eine Alternative kann die Zentralheizung in Städten sein, die leichter zu emissionsarmen Energieträgern umgebaut werden kann. Ähnlich hat es sich mit dem Verkehr. Es ist entschieden einfacher, beim öffentlichen Verkehr elektrische Energie einzuführen, als beim Personenverkehr.

Die energetische Transformation kann nicht in einem kleinen Ausmaß vorgenommen werden. Eine Herausforderung bei der energetischen Transformation ist die Synchronisierung der Lieferung grüner Energieträger mit der Möglichkeit ihrer Übernahme durch Einrichtungen, die von Endverbrauchern, also Haushalten und Institutionen die für sie Dienstleistungen erbringen, genutzt werden. Viele von diesen Einrichtungen müssen zunächst erfunden werden (z. B. leistungsfähige Batterien, von denen die Elektrifizierung des Verkehrs abhängt), andere müssen entworfen werden und deren Massenproduktion muss anlaufen und zu guter Letzt müssen die Endverbraucher überzeugt werden, sie zu kaufen. Aus dieser Sicht sieht elektrische Energie sowohl für die Lieferanten, als auch die Hersteller der Verbraucher ideal aus, wobei Eigenschaften des Trägers, leistungsfähige Elektromotoren bekannt sind und die elektrische Lösung einfacher in digitale Form transformiert werden kann.

Dort, wo die Verbrennung nicht ersetzt werden kann, z. B. beim Gütertransport bzw. als Reserve für erneuerbare Energiequellen, ist deren Umfang zu begrenzen. Dazu dient die Technologie des Materialkreislaufs in der Wirtschaft, woran man zurzeit arbeitet, also Rückgewinnung der Rohstoffe aus gebrauchten Produkten, jedoch auch neue Geschäftsmodelle, die die Nutzung dauerhaft benutzungsfähiger Sachen maximieren. Einen erfolgsversprechenden Weg stellt auch das Geschäftsmodell „Produkt-als-Dienstleistung“ dar, das bereit benutzt wird. Hat es Sinn, ein - zwar elektrisches - Auto zu besitzen, wenn wir damit 2 Stunden täglich fahren? Wäre es nicht besser, einen Kühlschrank zu mieten, für dessen Qualität, moderne Ausführung und energetische Leistung der Hersteller haftet? Er könnte ihn dann so bauen, dass er beständig, reparabel und für das technologische Upgrade vorbereitet und der künftigen Verwertung angepasst ist. Die Erweiterung dieses Modells würde den Übergang zur Wirtschaft mit geschlossenem Kreislauf beschleunigen, denn beständigere und besser benutzte Sachen mit dauerhaftem Nutzen würden einen niedrigeren Bedarf an Rohstoffen und Energie pro Person bedeuten. Sofern wir würdige Lebensbedingungen für die künftigen Generationen sicherstellen wollen, müssen wir uns bereits jetzt auf die gemeinsame Nutzung der Ressourcen vorbereiten, indem wir ihren Verbrauch reduzieren. Wir sollten uns davor nicht fürchten, denn es ist die beste Investition in die Zukunft unserer Kinder.

Wir haben uns diesem Prozess aktiv durch die Vorbereitung der langfristigen Strategie angeschlossen, die ORLEN zum Erreichen der Emissionsneutralität bis zum Jahr 2050 führen soll. Wir haben diese Richtung gewählt, denn sie ist sowohl im langfristigen Interesse unserer Firma (sie erwirtschaftet Gewinne und fördert die Beschäftigung), und führt auch zur Verbesserung der Sicherheit des Landes aus energetischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Sicht.

Wir sind uns dessen bewusst, dass die Auswirkung der energetischen Transformation auf die Verzögerung der globalen Erwärmung davon abhängt, in welchem Ausmaß es gelingt, die Emissionen in globalem Maßstab zu reduzieren. Das hängt von der internationalen Zusammenarbeit nicht nur im Bereich der Vereinbarung ehrgeiziger Ziele für die künftigen Jahrzehnte ab, sondern vor allem von der Bereitschaft zur klimatischen Solidarität. Es geht hier um die Wirksamkeit der Kompensationsmechanismen. Beim Planen dieser Mechanismen lohnt es sich, das Prinzip derselben Bemühungen im Bereich der Entkarbonisierung in verschiedenen Ländern zu akzeptieren. Sofern die energetische Transformation zum Programm für den Klimaschutz werden soll, sollte sie als ein großer Marsch konzipiert werden, den alle absolvieren können und nicht als ein Rennen, bei dem die schwächsten wegfallen. Aber das ist eine Aufgabe für die Politiker.



Adam Czyżewski

Adam B. Czyżewski, Ph.D., ist seit 2007 Chefökonom bei PKN ORLEN. Er ist Spezialist für Veränderungen in dem weltweiten Energiesektor, die aus Wirtschaftspolitik und revolutionären Innovationen resultieren

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