Let's talk about it

Let’s talk about it mit Lukas Sedlacek

Michael: Lukáš Sedláček ist ein Mensch, der seine Träume verwirklichen will. Ein Visionär, der die Einzigartigkeit unseres persönlichen Lebens, und das wir nur vorübergehend hier sind, versteht. Er ist der Gründer des European Leadership and Academic Institute, ELAI, das er im Jahre 2010 gründete - eine Einrichtung, die Bildung, Kreativität, Unternehmertum, Startups und Innovation unterstützen möchte. Lukáš, Sie sagen auf ihrer Webseite tatsächlich, dass Sie die gesamte Gesellschaft zu neuen und höheren Zielen motivieren wollen. Nun, es kann Ihnen gelingen, einen Einzelnen, eine Gruppe, ein Team oder sogar ein Unternehmen zu motivieren, aber eine ganze Gesellschaft zu motivieren ist ein fantastisches Ziel. Wie wollen Sie das erreichen? Mit welcher Geschichte wollen Sie Menschen dazu bringen?

Lukáš: Natürlich ist es sehr schwierig etwas alleine zu machen, selbst mit einem Institut, sogar mit deinen Partnern, aber es ist etwas, das meines Erachtens sehr wichtig ist, insbesondere für die Tschechische Republik. Ich bin ziemlich viel in verschiedene Länder gereist. Ich hatte auch die Möglichkeit im Ausland, in Neuseeland und in Großbritannien zu studieren, und bin in Skandinavien – Finnland und Dänemark, aufgewachsen. Ich sehe, dass wir es in der Tschechischen Republik und als Einzelpersonen ganz ordentlich machen, aber könnten es im Hinblick auf die Motivation viel besser machen, wenn es darum geht, als Einzelne und als ein Land besser zu sein. Mit anderen Worten, wir könnten uns höhere Ziele stecken als wir anstreben. Die Idee war, eine Plattform und verschiedene Projekte zu schaffen, mit denen wir die tschechischen Bürger dazu motivieren könnten, mehr an sich selbst zu arbeiten, und zu versuchen, als Einzelpersonen besser zu sein und langfristig als ein Land besser zu sein.

ML: In der Menschheitsgeschichte braucht eine Gesellschaft bestimmte Ziele und bestimmte Absichten, um ein solches Zusammenwirken zu erreichen. Diese werden oft in einem einzigen Buch zusammengefasst. Nehmen Sie zum Beispiel die Religion, die Bibel, die Thora oder andere... ein einziges Buch, in dem die Regeln und Vorschriften aufgeführt sind. Es gibt eine Idee, es gibt eine Geschichte, um die eine Gesellschaft zusammenkommt und zusammengeht, um ein gemeinsames Ziel oder eine gemeinsame Absicht zu erreichen. Was ist die Geschichte in Ihrer Welt?

LS: Das ist ein wichtiger Punkt. Es geht um Geschichten. Zehntausende von Jahren lang haben wir uns einander Geschichten erzählt. Eine Geschichte gibt Ihnen eine Bedeutung, treibt Sie an, eine Geschichte hilft Ihnen dabei, durch die Welt zu navigieren, um herauszufinden was gut und was schlecht ist, eine Geschichte kann Ihnen einen Impuls geben, um höhere Ziele zu erreichen und anzustreben. Wenn Sie Gesellschaften oder Einzelpersonen oder Familien, die eine Geschichte haben, oder Geschichten von Nationen, mit Menschen vergleichen die keine Geschichte haben, sehen Sie eine andere Entwicklung. Zum Beispiel, wenn wir uns die USA anschauen. Sie hatten von Anfang an eine Geschichte darüber, wer sie sind, was sie erreichen wollen, und wie besonders sie sind. Und wenn Sie sich die Europäische Union oder die Tschechische Republik betrachten, fehlt uns oft eine gemeinsame Geschichte, mit der wir uns verbinden können, und das macht es schwierig nach etwas zu streben.

ML: Ich stimme Ihrer These hier voll und ganz zu. Oft haben erfolgreiche Nationen diese kollektive Identität – eine Idee, ein Ziel, eine Geschichte, für die sie sich entscheiden. Sie haben Amerika erwähnt, das sehr erfolgreich ist...und wie Sie darauf hingewiesen haben, möglicherweise europäische Länder, unser eigenes Land hier mit der Tschechischen Republik, fehlt uns das? Und sollte die neue Identität verbunden sein mit ...was? Sollte sie mit Wissenschaft und Technologie verknüpft sein? Sollte sie mit etwas mehr abstrakterem verknüpft sein?

LS: Ich denke, der erste Schritt ist zu erkennen, dass man eine Geschichte braucht, und der zweite ist zu erkennen, dass die Geschichte entweder von oben gegeben ist, oder sie kann erzählt, und von unten erstellt werden. Mit anderen Worten, wir können uns entweder die Geschichten von Politikern, den verschiedenen politischen Parteien oder verschiedenen berühmten Persönlichkeiten anhören, die uns sagen, wie die Geschichte für uns und für die Tschechische Republik aussehen sollte, oder wir sind diejenigen, welche die Geschichte tatsächlich für uns selbst schaffen.

ML: Ich stimme mit Ihnen überein und denke, dass wir eine Zeit durchlaufen, in der wir uns als globale Gesellschaft näher kommen. Die Technologie treibt dies voran. Das Internet, das Transportwesen und all die technologischen Fortschritte die wir machen, führen uns in Richtung einer miteinander vernetzten globalen Gesellschaft. Ich denke, das ist der Weg von Wissenschaft und Technologie als Geschichte. Gleichzeitig haben wir alte Geschichten, die Nationen, Religionen, Kulturen, usw. voneinander trennen. Und ich denke, wir befinden uns jetzt in einer Sackgasse, wo es Gruppen von Menschen gibt, die mit dem Strom mitschwimmen können, mit Wissenschaft und Technologie mithalten können, keine Angst vor Innovation haben und das Gefühl haben, sich in dieser Welt ausdrücken zu können und an ihr teilnehmen. Sie profitieren von den Vorteilen. Ihr Lebensstandard steigt. Es gibt jedoch eine andere Gruppe, möglicherweise etwas größer als diese, die sich fühlt, als hätten sie den Zug verpasst, dass sie nicht auf dem neuesten Stand sind, dass sie etwas besorgt sind, weil sie vielleicht nicht so gut Bescheid wissen. Sie schauen zurück auf frühere Geschichten – religiöse Geschichten oder politische Geschichten, die aus einer früheren Zeit stammen. So befürchte ich, dass wir uns in einer Sackgasse befinden, in der wir fast in Richtung einer Diversifizierung unserer Art gehen. Diejenigen, die einer Geschichte folgen, die eher auf dem neuesten Stand sind, und diejenigen die das Gefühl haben, dass sie hinterherhinken. Ich interessiere mich für Aktivitäten die das aufgreifen, die das angehen und ich versuche, etwas zu unternehmen. Welche Aktivitäten machen Ihrer Meinung nach den Unterschied aus? Sie haben kurz die Bildung erwähnt. Was können wir als Gesellschaft tun, um für Menschen die Hemmnisse abzubauen, damit sie die Geschichte der Wissenschaft auch als ihre Geschichte sehen können?

LS: Ich denke, das erste und wichtigste für die Menschen ist, dass sie erkennen, dass sie, zusammen mit allen anderen, ein Teil der Geschichte sein können. Es werden unterschiedliche Geschichten erzählt, verschiedene Gruppen gebildet, und die Gefahr besteht darin, dass wir die Zukunft darstellen als diejenige, die Innovationen versteht, und über die Ressourcen verfügt, um die Ressourcen in der Zukunft zu nutzen, dann lassen wir viele andere außen vor, die dann geneigt sein könnten, andere, alte Geschichten auszuwählen, was zu Fehlkommunikation und Meinungsverschiedenheiten führt. Somit denke ich, dass es wichtig ist, grundlegende Fähigkeiten, wie beispielsweise Bildung, für alle anzubieten, damit sie an der Zukunft teilhaben können. Gleichzeitig zu kommunizieren, dass jeder ein Teil der Zukunft sein kann, in dem Sinn, dass sie Innovatoren sein können. Ob sie ein Genie sind oder... zum Beispiel wird in der nächsten Innovationswoche der Tschechischen Republik das zwölfjährige Mädchen Anna Du dort sein, die diesen Roboter zur Reinigung der Ozeane entworfen hat...

ML: Ich bin froh, dass Sie auf sie kommen, denn bisher haben wir in einem weiten Kontext über Gesellschaften und sogar die globale Gesellschaft gesprochen, so freue ich mich von einigen Einzelpersonen zu hören. Sie haben am Anfang erwähnt, dass die Veränderung nur durch individuelle Arbeit vermittelt werden kann. Schließlich sind wir nur für unser eigenes Handeln verantwortlich und befähigt, daher würde ich gerne einige individuelle Geschichten hören.

LS: Nun, eine faszinierende Geschichte handelt von diesem 12-jährigen Mädchen Anna Du. Sie fertigte diesen neuen Roboter, um die Ozeane zu reinigen. Dies wurde vorher noch nie gemacht. Es ist dieser neue, funktionierende Prototyp den große Unternehmen prüfen. Oder es gibt eine Wissenschaftlerin, Sabrina Gonzales Pasterski, die im Alter von 14 Jahren in der Garage ihr eigenes Flugzeug baute und es flog. Sie wird von der Harvard Universität als neuer Einstein bezeichnet. Dies sind einige Ausnahmefälle, die gut zu wissen sind, dass es immer noch wirklich kluge Menschen gibt, die Dinge erfinden können. Gleichzeitig ist es jedoch wichtig zu wissen, dass man durch diese sehr erfolgreichen Menschen und Fälle nicht deprimiert sein sollte, sondern dass Innovation und Kreativität etwas für jeden sind. Deshalb findet die Innovationswoche in der Tschechischen Republik mit so vielen Akteuren wie möglich statt. Es ist eine Veranstaltung, die von Dutzenden Organisationen mitorganisiert wird, und es finden Hunderte von Veranstaltungen statt. Dort sind Botschaften, Handelskammern, NGO’s, Unternehmen, alle beteiligen sich, um die Botschaft zu vermitteln, dass wir die Geschichte nicht nur selbst, sondern auch mit so vielen Menschen wie möglich gestalten sollten. Gleichzeitig möchten wir betonen, dass es nicht nur darum geht, dass jemand Wissenschaftler ist, sondern dass jeder von uns versucht, das Leben anders zu betrachten.

ML: Wo stehen wir also, wie gut sind wir vorbereitet und in welcher Form sind wir hier in der Tschechischen Republik, um in diese Zukunft zu gehen. Was fehlt aus Ihrer Sicht, was können wir gut, was müssen wir noch verbessern?

LS: Wir sind gut bei den Fakten. Wenn Sie sich im Bildungswesen mit verschiedenen Themen wie Biologie, Chemie, Physik und all dem beschäftigen, sind wir recht gut, wenn es darum geht, sich Dinge zu merken, Dinge zu zählen, Fakten. Wenn Sie jedoch den tschechischen Studenten mit einem Studenten aus dem Westen oder von einer besseren Universität vergleichen, sehen Sie einen großen Unterschied in der Fähigkeit, die Fakten zum Argumentieren tatsächlich zu verwenden, um, mit den Fakten die sie haben, eine neue Welt zu schaffen. In gewisser Hinsicht sollten wir weniger Angst haben, wie kleine Kinder herumzuspielen, und weniger Angst haben, aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu denken. Als ich zum Beispiel anfing, meine Essays in Cambridge zu schreiben, schrieb ich perfekte Essays, die in der Tschechischen Republik ein A-Plus erhalten hätten. Ich weiß es, weil es viele verschiedene Referenzen aus Primärquellen gab...Ich schrieb diese Essays und bekam immer schlechte Noten. Ich konnte nicht verstehen, warum ich keine guten Noten bekam, und lernte, dass ich mich zu sehr auf die Fakten konzentrierte. Dann versuchte ich eine andere, verrücktere Vorgehensweise. Ich habe Psychologie, historische Orte, und so weiter, benutzt. Ich habe gelernt, dass ihre Tendenz [in Cambridge] ist, ihnen beizubringen, Kreativität zu denken und einzusetzen, sogar wenn es am Ende irgendwie dumm ist. Sie werden dafür belohnt, kreativ zu sein. Ich denke, Kreativität ist eine Sache, und eine andere Sache, die uns in diesem Land fehlt, ist die Belohnung von Menschen die denken, die lernen zu argumentieren. Im Geschäftsleben geht es auch darum, die richtigen Argumente zu haben. Gleichzeitig fehlt uns hier eine Art von langfristiger Strategie. Es fehlt uns eine Strategie die Bereiche anzuschauen, die für die Tschechische Republik langfristig essenziell und entscheidend sind. Also, Bildung, Unterstützung von Innovation, Wissenschaft, Startups...die Unterstützung die wir bekommen geht auf und ab. Es gibt keine schrittweise Unterstützung; es gibt keine Vision oder Strategie für die Zukunft. Wenn Sie sich einige erfolgreiche Länder betrachten, wie Schweden, dem innovativsten Land der Welt im letzten Jahr...es ist kein Zufall dass sie so innovativ geworden sind. Sie haben eine Strategie, die sie seit mehr als zwanzig Jahren verfolgen. Das ist also eines der anderen Dinge die uns fehlen, denke ich. Eines ist diese Kreativität, was auch bedeutet, dass wir mehr an uns glauben und Vertrauen haben, was nicht immer etwas ist, mit dem du geboren wirst. Nicht jeder wird mit Selbstvertrauen geboren – es ist etwas, was sie fördern und unterstützen müssen. Bei Schülern muss man ihnen sagen, dass gute Arbeit eine großartige Arbeit ist, ihnen sagen, dass sie gute Arbeit geleistet haben, und sie loben, denn nicht jeder ist von sich selbst überzeugt. Und wenn er oder sie es ist, dann sind sie gewöhnlich nicht so schlau.

ML: OK, also haben wir hier die Ideen, wir haben die Fähigkeiten, wir haben das Talent, aber wir müssen in den gesamten Bereich der Kreativität, von der Ausbildung bis zum Arbeitsplatz investieren, und auch eine kohärente Strategie haben, welche die langfristige Perspektive aufzeigt.

LS: Wir sollten nicht über Einstein lernen, wann er geboren wurde, wo er lebte und wann er heiratete, sondern wir sollten den Kindern lernen und beibringen, wie man der neue Einstein wird.